Ein Buch...

Ich habe im Laufe der Jahre mit vielen Gläubigen und Nichtgläubigen Menschen diskutiert. Manchmal auch zum Leidwesen von einigen Geburtstagsgästen heiße Diskussionen gehabt. Gibt es Gott? Dieser Frage bin ich im Laufe des Jahres 2015 mal schriftlich nachgegangen. Was sich ergeben hat, folgt hier.

Vorwort

Gibt es einen Gott? Und wenn es ihn gibt, ist es ein liebender oder ein strafender Gott? Wo wohnt Gott? Was passiert, wenn man tot ist? Wer kommt in den Himmel?
Diese und ähnliche Fragen beschäftigen uns Menschen von Kindheit an. Meist geben Mama und Papa die Antworten. Die Schule als Wissens- und Wertevermittlung bezieht ebenfalls Stellung, da auch hier Religion als Unterrichtsfach angeboten wird. Man muss nicht hingehen, kann aber. Man muss nicht glauben, kann aber. Die Frage ist: woran glaubt man.
Christentum als Weltreligion wäre eine Möglichkeit, Islam, Judentum, Mormonen, Zeugen Jehovas andere. Egal ob katholisch, evangelisch, protestantisch, freikirchlich, orthodox…
Immer gibt es den „einen wahren Gott“. Die Theologen sprechen vom Monotheismus, weil sie sich gerne in Latein ausdrücken. Und natürlich haben sie auch eine Begründung dafür, warum es der „wahre“ Gott ist. Gott ist allmächtig, er erschuf Himmel und Erde, die Tiere und den Menschen. Gott liebt die Menschen, weil er sie nach seinem Ebenbild schuf.
Wenn das so ist, dann stellt sich die Frage, warum nicht alle an diesen einen wahren, allmächtigen Gott glauben, der es gut mit den Menschen meint?
Eine der schnellsten Antworten auf diese Frage, würde wohl sein, „weil man die Existenz Gottes nicht beweisen kann“. Man muss es „glauben“. Aber diese Antwort greift etwas zu kurz. Sicherlich stellt sich dabei die Frage nach der Existenz Gottes. Aber auch nach der Lebensweise von Menschen. Tiere glauben an keinen Gott. Und Pflanzen? Wann haben Sie zuletzt mit einer Begonie über die Liebe Gottes debattiert.Stellen sie sich auf eine Blumenwiese – solange es nicht die von ihrem Nachbarn ist – umarmen sie das Gras und rufen sie laut: Gott liebt euch, ihr Blümchen. Es wird ihnen gleich viel besser gehen und sie werden sich so sehr selber lieb haben, dass man ihnen die zum Thema passende „hab-mich-lieb-Jacke“ anziehen wird. (sie wissen, die Weißen, bei denen man die Arme so schön auf dem Bauch verzurren kann.) Aber das tun wir Menschen nicht. Wir wollen für ernsthaft gehalten werden. Und noch eine Eigenschaft zeichnet uns aus: unsere Neugier. Wir sind an den Dingen und ihren Zusammenhängen interessiert. Rätsel lösen ist eine Fähigkeit unseres Gehirns und es will gerne viele davon lösen. Neben unwichtigen Rätseln wie Sudoku, die 427ste Stelle von Pi, welche Farben stehen dem Herbsttyp, ob die Erde rund oder eine Scheibe ist und ob mein Geld noch bis zum Ende des Monats reicht, gibt es auch essenzielle Fragen: Woher der Strom kommt (Kernreaktor oder Windanlage), woher die Lust an Rätseln kommt und unter weiterem auch, woher der Mensch kommt.
Menschen, die nicht viel wissen, kann man viel erzählen. Mit der richtigen Überzeugung in der Stimme und den Worten, kann man sie viel glauben machen. Das funktioniert auch deshalb, weil der Mensch interessiert ist an Erklärungen. Er ist neugierig und unsicher. Als dieser will er sich die Welt erklären, um sich sicherer zu fühlen. Und dabei hilft ihm seit ein paar Jahrhunderten die Wissenschaft. Sicherheit in Erklärungen beruhen seitdem auf der Annahme, dass der Mensch eher das glaubt, was er wissenschaftlich nachweisen kann.
Käme ich zu der Frage, was ein wissenschaftlicher Nachweis oder Beweis ist. Unser heutiges Denken in unserem Kulturkreis ist stark geprägt durch verschiedene Epochen, die unsere Gesellschaft durchlaufen hat, bzw. durch die sie sich so gebildet und geformt hat, wie wir heute darin leben. Eine dieser Epochen nennt sich die Zeit der „Aufklärung“. In ihr ging man vielen Fragen der Zusammenhänge in der Welt nach. Die Naturwissenschaften bildeten sich im Laufe der Zeit und der nachfolgenden Epochen. Diese Naturwissenschaften beeinflussen unser tägliches Denken mehr, als es uns bewusst ist.
Im Sinne dieser Wissenschaften ist ein Beweis dann erbracht, wenn ich ihn zu einer beliebigen Zeit an einem beliebigen Ort beliebig oft wiederholen kann und das Ergebnis immer das gleiche ist. Lege ich zum Beispiel ein mit Wasser randvoll gefüllte Glasflasche in ein Gefrierfach, platzt die Flasche auf, wenn das Wasser gefriert und zwar unabhängig von der Tageszeit und dem Ort. Der Beweis dafür, dass Wasser sich ausdehnt, wenn es gefriert. Ließe sich jetzt die Existenz Gottes beweisen, wären alle Fragen des richtigen Glaubens doch gelöst, oder?
Gott lässt sich nicht beweisen und die Nichtexistenz Gottes auch nicht. Per Glaubenssatz hat Gott die Welt erschaffen. Also kann ich ihn nicht mit den Bordmitteln seiner eigenen Schöpfung beweisen. Genauso kann ich ihn mit den gleichen Mitteln nicht widerlegen. Solange wir uns „im System seiner Schöpfung“ bewegen, hilft uns die Naturwissenschaft nicht weiter, weil diese sich nur auf Regeln im System beziehen kann, nicht aber auf die Entstehung des ganzen. Mit ihr kann ich erklären, warum die Erde ist „wie“ sie ist, aber nicht „was“ sie ist. Die Urknalltheorie ist ein gutes Beispiel dafür. Man kann mit wissenschaftlichen Methoden bis zum Punkt des Urknalls zurückgehen. Weiter aber nicht, weil es keine Maßstäbe für das Vorherige gibt. Ich könnte jetzt die Theorie aufstellen, dass vor dem Urknall das Ganze Universum schon existierte und eine große Blumenwiese war, voller Leben und Schönheit. Ich würde wohl nicht viele Anhänger finden, die der gleichen Meinung sind wie ich. Ich kann es ihnen nicht beweisen, kann sie aber ermuntern, dies trotzdem zu tun. In den folgenden Abschnitten werde ich Sie geneigter Leser also dazu bringen wollen, anzunehmen, dass vor dem Urknall das Weltall eine Blumenwiese war. Und wenn ich das geschafft habe, können sie auch ruhigen Gewissens weiter an Gott glauben. Sollten sie nicht an Gott glauben, stellt sich mir die Frage, warum sie ein Buch lesen, dessen Inhalt sie nicht berührt. Oder wollen sie sich einfach nur sicher sein, dass sie an das nicht Richtige nicht glauben.

Warum sollte es ihn geben?

Gibt es einen Sinn und einen Zweck, warum es Gott geben sollte? Oh, ich höre schon die Unkrufe: Gott braucht keinen Sinn für seine Existenz. Wenn Gott uns nach seinem Ebenbild geschaffen hat, bräuchten wir dann auch keinen Sinn für unsere Existenz!? Aber die Suche nach dem Sinn des Lebens beschäftigt uns ein Leben lang. Tun wir also mal so, als ob es einen Grund bräuchte, warum Gott existiert. Es geht also um die Frage des Grundes seiner Existenz und nicht nach der Ursache. Für sich alleine genommen hat nichts einen Grund. Nur im Zusammenhang werden Gründe wichtig und fassbar. Das eine bezieht sich auf das andere und macht damit Gründe klar. Eine Biene hat keinen Existenzgrund. Eine Blüte würde da anders denken, wenn ihr das Denken seitens der Schöpfung mit auf den Weg gegeben worden wäre. Für die Blüte ist die Biene ein wichtiger Bestandteil der Existenz, denn ohne sie gäbe es keine Bestäubung und damit ein Aussterben der Pflanze. Wir lernen also, dass es auch schon vor dem Urknall Bienen gegeben haben muss. Um also einen Grund angeben zu können, warum es Gott überhaupt geben sollte, brauche ich einen Zusammenhang, in den ich Gott sehen kann. Die Religionstheorien und Glaubenssätze helfen hier nicht weiter, da Gott als Einzigartig seiner Art gesehen wird. Die Frage, warum es Gott geben sollte, kann also aus Sicht der Religion nicht beantwortet werden. Wohl aber die der Blumenwiese. Die Blumenwiese vor dem Urknall hatte den Grund, dass es auch nach dem Urknall Leben geben kann.

Was denkt ein Mondstein, warum es Gott geben sollte

Ein witziger Gedanke, sich vorzustellen, dass Steine denken könnten. Funktioniert nicht, ist klar. Um denken zu können braucht es Sprache. Hiermit schließe ich auch Bilder und Gesten mit ein, weil auch diese Sprache bilden können. Gehörlose denken z.B. oft in Bilder und nicht in Worten. Dieses ist ihre Sprache, in der sie denken können. Ein Mondstein denkt also in „steinisch“, was nicht mit „steirisch“ zu verwechseln ist. Stellen wir uns „steinisch“ sehr ähnlich unserer Sprache vor und versetzen uns in die Gedanken eines Mondsteines...
Boah, ist das hier langweilig. Ich seh nix, ich höre nix, ich fühle nix, ich schmecke nix. Ich bin einfach nur da. Tolle Wurst. Wer hat sich eigentlich diesen Schwachsinn ausgedacht, mich zu erschaffen und mich hier auf dem Mond liegen zu lassen. Vor lauter Meditation habe ich es überhaupt nicht mitbekommen, dass gerade ein Mensch hier war. Hätte er mich nicht mitnehmen können? Vielleicht wäre ich auf der Erde auseinandergenommen worden. Mein Dasein hätte sich mal verändert. Egal wie. Nein, ich liege hier als Stein für alle Ewigkeit, also bis zum nächsten Urknall, auf dem Mond. Was hat dieser Gott sich dabei eigentlich gedacht, aus mir einen Stein zu machen. Für mich braucht es keinen Gott. Weil ob es ihn gibt oder nicht, ändert für mich gar nichts. Da wäre ich schon lieber der Untergrund einer Blumenwiese, wie sie vor dem Urknall einmal existierte. Da wurde ich schon mal mit Wurzeln umrankt. Tolles Gefühl, gebraucht zu werden! Wenn es einen Gott geben sollte, dann hat er mich als sein Spielzeug erschaffen.

Die Erde als Kindespielzeug, Galaxien als Teenager, und was ist heute

Die Erde als Spielzeug Gottes. Ich sehe ihn direkt da hocken, Klein-Gott in seiner Bastelecke, tief versunken in seinem Spiel. „Was machst Du da?“ Höre ich Mama Gott fragen. „Ich spiele“ ruft Klein-Gott. „Und was spielst du?“ gibt Mama keine Ruhe. „Ich spiele Gott und habe gerade die Erde erschaffen. Lauter Menschen, die so aussehen wie ich. Da bin ich so was wie Supermann: geliebt, gefürchtet, immer gut drauf und allmächtig.“ „Allmächtiger Gott“ ruft Papa aus dem Badezimmer.
Als Gott älter wurde, hatte er keine Lust mehr, mit Puppen und Menschen zu spielen. Er baute sich was Komplexeres. Um die Erde drum herum schuf er andere Sterne, Sonnen, Galaxien, experimentierte mit Supernovas, schwarzen Löchern und dunkler Materie. Ein Forscher und Erschaffer wurde aus ihm, den die Spielzeugwelt aus den Kindertagen nicht mehr interessierte.
Und heute? Ist Gott schon erwachsen, oder braust er gerade mit seinem neuen Führerschein durch die 17 Dimensionen?
Ich weiß nicht, welcher Leser gerne als Spielzeug dienen möchte. Ich jedenfalls nicht. Da bin ich lieber ein Gänseblümchen auf der Wiese und lasse mich von einer Biene bestäuben.

Der Mensch als Ebenbild Gottes wie sieht Gott aus

Du sollst Dir kein Bild von Gott machen, heißt es in den zehn Geboten. Zehn Gebote? Das sind die Steintafeln, die Moses vom Berg mit runter brachte, als er Gott um Hilfe bat. Gut, schieben wir Moses mal beiseite, lassen die Steintafeln in seinem Besitz und schauen uns Gott an. Die Begründung, warum wir uns kein Bild von ihm machen sollen, überlasse ich getrost den Theologen. Mich interessiert eher die Idee, dass Gott uns nach seinem Ebenbild schuf. Wir Menschen sehen also so aus, wie Gott. Ob wir jetzt hässlich sind oder nicht, zu klein oder zu dick, zu kurze Beine oder zu dicke Lippen, fettige Haare oder Orangenhaut ist dabei weniger interessant, wenn auch belustigend. Stellt sich doch die Frage, ob Gott uns weniger schön gemacht hat, als sich selber, damit er nicht neidisch auf uns wird…
Wenn irgend jemand der Meinung ist, dass Gott uns nach seinem Ebenbild gemacht hat, dann darf er ja auch getrost annehmen, dass Gott so ähnlich aussieht, wie wir Menschen. Männlich ist er. Gott Vater wird er genannt. Tja, liebe Leserinnen, Pech gehabt. Göttliches liegt wohl doch eher im Manne als in der Frau.
Nun mal ernsthaft: Wer in der Welt hat Gott gesehen und kann ihn beschreiben als menschenähnlich? Was in aller Welt an einem brennenden Dornbusch menschenähnlich ist, will nicht in meinen Kopf. Die Idee, dass wir Menschen nach dem Ebenbild Gottes gestaltet sind, stammt aus der Phantasie jener Männer, die die Menschen als Krone der Schöpfung betrachten und sich selber als die Elite der Menschheit, die Gott besonders liebt und deshalb Heim holt ins gelobte Land. Die anderen Menschen sind ja gar keine richtigen Menschen. Die hat Gott ja nur aus … gemacht.

Der Mensch als Plage der Schöpfung

Die Krone der Schöpfung ist also der Mensch. Jenes Wesen, dass mehr Tierarten ausrottet, als die Eiszeiten zusammen. Das sich die Erde untertan macht und sie zerstört, wo er nur kann, das Menschen, Tiere und Pflanzen vernichtet, um nach Bodenschätzen zu graben, sie auszubeuten und Wüste zurück lässt. Das in Bereiche der Ökologie eingreift, die die ganze Erde bedrohen. Der Mensch als die Krone der Schöpfung, weil er in der Lage ist, Waffen zu entwickeln, die ganze Landstriche nebst der Lebewesen darin per Knopfdruck vernichten können. Mal unter uns Pastorentöchter: Wenn so ein Lebewesen in meiner Umgebung wäre, würde ich ihn meiden wie die Pest. Der bekäme Hausverbot – lebenslänglich. Die Krone der Schöpfung ist tot, es lebe der Mensch.
Oh, nein, ich will nicht behaupten, dass der Mensch an sich böse und verroht ist. Ich betrachte ihn nur aus der Sicht der Schöpfung. Wenn ich ein Baum wäre, oder ein Fluss, ein Zugvogel oder ein Frosch, der Mensch wäre für mich nicht die Krone, sondern mein Feind. Was der Mensch unter sich macht, interessiert mich als Baum nicht. Da kann er liebevoll und zärtlich sein, Kinder heranziehen und Kulturtechniken entwickeln, Bücher schreiben und Musik komponieren. Das kann ich alles nicht, wenn ich ein Baum bin. Aber das ist mir auch nicht wichtig. Für mich als Schöpfungsergebnis ist der Mensch ein Teil der Schöpfung, wie die anderen auch. Aber bestimmt nicht der beste für mich. Eher eine Plage.

Ist Gott durch den Urknall entstanden

Kommen wir mal zur Frage, wann Gott denn die Plage über die Schöpfung losgelassen hat. Hardcorechristen, die an den Worten der Bibel kleben, gehen davon aus, dass Gott die Erde in all seiner Gestalt so geschaffen hat, wie sie jetzt um die Sonne kreist – oder war das die Sonne um die Erde? Gemäßigtere Christen ziehen in Betracht, dass die Erde wohl doch eher mit den anderen Planeten, Sternen und Sonnen durch einen sogenannten Urknall entstanden ist. Urknall ist der naturwissenschaftliche Nullpunkt der Zeit, an dem die gesamte Materie des Universums von einem einzigen Punkt aus in alle Richtungen auseinander flog. Man mag der Theorie folgen oder nicht. Zweifel bleiben. Wenn das Ganze mehr ist, als die Summe der Teile, dann frage ich mich nach der Entstehung des mystischen. Wenn die Materie zum Zeitpunkt des Urknalls auf einem Punkt war, wo war dann das nicht materielle. Wo sind die Seelen zu Hause, die doch nach der christlichen Theorie unsterblich sind… Ganz zeitgemäße Christen sind eher der Meinung, dass Gott durch diesen Urknall die ganze von ihm geplante Geschichte mit der Entstehung der Planeten, des Lebens, der Arten (wie Darwin so schön formulierte) und des Menschen ins Laufen gebracht hat. Mit dem, was in der Bibel steht, hat das allerdings nicht mehr viel zu tun. Denn Gott greift in die Geschichte der Menschen ein. Er schickt Plagen und Fluten, teilt Meere und erweckt Tote. Er schickt seinen Sohn, um für die Sünden der Menschen Vergebung zu geben (da kommen wir später noch zu). Das würde eher dafür sprechen, dass er seine Schöpfung nicht vollends unter Kontrolle hatte. Welchen Sinn würde es auch machen, die Planeten Erde zu erschaffen, ihn Milliarden von Jahren unbeachtet zu lassen, um dann darauf die Krone der Schöpfung entstehen zu lassen. Gar keinen. Das müssen sie jetzt nicht glauben, können sie aber. Wenn das Leben an sich und der Mensch im Besonderen Gott so fasziniert, dann frage ich mich allen ernstes:

Wenn Gott die Menschen liebt, warum ist das Weltall dann so tot

Schon mal drüber nachgedacht? Mich erschreckt diese Frage jedes mal. Warum gibt es so wenig Leben im Weltall. Oh, ich schätze Starwars und Raumschiff Enterprise. Für mich gehört dies jedoch in den Bereich Sciencefiction und nicht in den Bereich Religion. Wenn ich ein Buch schreibe, dann lasse ich nicht nach der Einleitung die restlichen Seiten leer. Für einen Garten rode ich nicht ganze Wälder, um in einer kleinen Ecke Erdbeeren zu pflanzen. Sollte Gott also den Urknall erschaffen haben, dann ist ihm einiges gründlich misslungen: entweder wollte er auf allen Planeten und Sternen Leben haben, oder Leben an sich ist als Zufallsprodukt mit entstanden. Verstehen könnte ich es dann, wenn ich mir ausmale, dass Gott nicht den Urknall geschaffen hat, sondern der Urknall Gott. Dann ist es nur mit der Allmacht und der Erschaffung der Erde so seine unchristliche Sache.

Woher stammt das Wissen über Gott

Im Laufe unseres Lebens haben wir viel über Gott gehört. Das Eine vom Pfarrer/Priester/Imam vor Ort, das Andere aus unserer Familie, Wir haben selber Bücher gelesen und Fernseh- oder Radiobeiträge gesehen und gehört. Es gibt sehr viele Quellen, woher wir das Wissen beziehen können. Letztlich beziehen sich aber alle immer auf die gleichen Schriften: Den Tanach, die Bibel und den Koran.
Juden werden die Tora, einen Teil der Tanach sehr gut kennen, da sie jährlich wiederholt gelesen wird. Auch andere Teile des Tanach werden sie verinnerlicht haben, da ihr Leben danach ausgerichtet ist. Jude zu sein ist nicht nur ein Bekenntnis, sondern auch eine Lebensanschauung. Jude kann nur werden, wer eine jüdische Mutter hat.
Für die Christen liegt das heilige Buch in vielen verschiedenen Versionen vor. Man kann sie in der eigenen Landessprache lesen, obwohl die ursprünglichen Texte in verschiedenen Sprachen abgefasst wurden. Die wenigsten Christen werden dieses Buch jedoch komplett gelesen haben. Man bekennt sich im Laufe seines Lebens zum Christentum mit der Taufe und gehört dann dazu. Man kann auch wieder austreten.
Anhänger des Islam beziehen sich auf den Koran. Einer Schrift, die Muhamad vom Erzengel Gabriel im Laufe von 23 Jahren weitergereicht wurde. Man kann nicht sagen diktiert, weil Muhamad nicht lesen und schreiben konnte. Die Wurzeln liegen wohl bei arabischen Christen, da an den gleichen Gott geglaubt wird, Adam und Eva genauso bekannt ist, wie Mose und Jesu. Nur das Jesu nicht der Sohn Gottes ist, sondern auch ein Prophet war. Die meisten Muslime können den Koran rezitieren. Doch nur eine Minderheit der Muslime spricht hoch arabisch. Deshalb können die meisten Muslime den Koran nicht lesen. Verstehen können ihn die allerwenigsten, da das Arabische des Koran noch mal ein ganz eigenes ist. Den Muslimen wird der Koran von Vorbetern erklärt. Zum Islam kann man durch Geburt und durch Bekennung gelangen. Ein Austreten gibt es nicht. Einmal Islam, immer Islam.
Tun wir erst mal so, als ob die christliche Bibel wahr ist. Welche Version? Wirklich wahr, es gibt mehrere Versionen von Gottes Buch. Alleine die Übersetzung vom sogenannten „Urtext“ in die verschiedenen Landessprachen ist ein Akt der Interpretation. Kann nicht sein, denken Sie? Gott hat doch die Bibel mehr oder weniger diktiert.
Jedoch ist Sprache vom Leben der Menschen geprägt. Also unterschiedliche Lebensweisen bringen unterschiedliche Sprachstile hervor. Nennen sie mir doch z.B. mal 47 Arten von Schnee. Gibt es nicht? Für die Inuit schon. Was der Deutsche mit „Zuhause“ verbindet, gibt es in kaum einer anderen Sprache.
Um weiter zu kommen nehmen wir also einfachheitshalber die Einheitsbibel in Deutsch. Die wäre also jetzt wahr. Fällt den meisten Christen nicht schwer zu glauben. Manche haben damit schon Schwierigkeiten. Wie ist die Bibel zu verstehen, wörtlich oder als Gleichnisse? Da höre ich von Predigern sehr unterschiedliche Auffassungen. Und ich rede nicht von den amerikanischen Predigern, die im TV Massen von Menschen begeistern, und sie zum Spenden für „ihre“ Kirche aufrufen und überzeugen. Ich rede von Priestern und Pfarrern in meiner und ihrer Region.
Ist also Noah in einer Arche über die Erde gesegelt, nachdem Gott eine Sintflut geschickt hat? Ist Moses auf den Berg gestiegen und hat Steintafeln mit runter gebracht, die Gott geschrieben oder diktiert hat? Sprach Gott aus einem brennenden Dornbusch? Ist alles, was eine Frau berührt, die ihre monatliche Regelblutung hat, „unrein bis zum Abend“? Brauchte Gott 144 Stunden um alles zu erschaffen und 24 Stunden um sich auszuruhen? Schuf Gott Eva aus der Rippe des Adam? Sie merken, Wahrheit wird plötzlich dehnbar oder sie gehören zu den Hardcorechristen, die die Bibel wörtlich nehmen, z.B. deshalb, weil sie von Gott wörtlich diktiert wurde. Dazu zwei Dinge: warum steht in den ersten Briefen von Paulus, dass das Ende der Welt nah ist (Theologen sprechen von der „Naherwartung“) und am Ende, dass es noch lange bis zum jüngsten Gericht dauert („Fernerwartung“). Hat Gott sich plötzlich umentschieden? Das passt aber dann nicht dazu, dass er die Bibel diktiert hat (mal in Altgriechisch, mal in Latein, mal in hebräisch...). Der andere Ansatz ist ein pragmatischer: wer würde mir glauben, wenn ich behaupten würde, dass Gott mir ein Buch diktiert hat, oder zumindest einen kleinen Text? Ich müsste Beweise dafür liefern. Und selbst dann würde die Mehrheit der Menschheit mir nicht glauben. Wohl aber dem Buch der Bücher, dessen Inhalt ohne Interpretationen nicht zu übernehmen ist.
Aber es ist die Quelle dessen, was wir über Gott zu wissen glauben: geschriebene Worte auf Pergament, Papier, Papyrus, Tonscherben oder anderes. Wir glauben, was in den vier Evangelien der Bibel im sogenannten „Neuen“ Testament“ steht. Nicht aber glauben wir, was im fünften Evangelium nach Thomas steht, weil es eine apokryphe Schrift ist (auch ich liebe Fremdworte), also eine Niederschrift, die aus religionspolitischen Gründen nicht mit aufgenommen wurde, weil sie erst nach der Fassung der kanonischen Bibel entstanden ist, oder weil ihr Verfasser bzw. dessen Autorität nicht genügend anerkannt war. Kanonische Bibel? Bibelkanon? Es klärt, welche Texte zur Bibel dazu gehören und welche nicht. Auch im christlichen Glauben spielen jüdische Riten eine große Rolle. So wurde aus den fünf Büchern Moses im jüdischen die Tora und im christlichen der Pentateuch, mit Erweiterungen der Tanach und weiter zum Alten Testament (für die Katholiken mit zusätzlichen Texten, für die Protestanten ohne). Welche Texte dazu gehören sollten und welche nicht, klärten Kommissionen und legten dies z.B. im Bibelkanon fest.

Welche heilige Schrift ist die Richtige und warum gehören bestimmte Texte dazu und andere nicht

Ich werde also nicht drumherum kommen, ihnen ein bisschen über die Entstehung der heiligen Bücher zu erzählen, da sie die Hauptquellen unserer Erkenntnisse über Gott sind.
Der erste Teil der christlichen Bibel ist das Alte Testament, was sich mit dem Gottesbild vor der Zeit Jesu Christi befasst und auch vorher entstanden ist. Für die Juden bilden die gleichen Schriften den Tanach, auch hebräische Bibel genannt. Es ist eine Sammlung religiöser Texte von verschiedenen Autoren. Das Alte Testament beginnt mit dem Leben und Wirken Moses, einer grundlegenden Figur für Christen und Juden gleichermaßen, aufgeteilt in fünf Kapitel. Für die Christen sind das die fünf Bücher Moses, für die Juden die Tora. In ihr ist die Entstehungsgeschichte des Judentums, auf dem das Christentum aufbaut niedergeschrieben. Außerdem enthält es 365 Verbote (so viele wie Tage im Jahr) und 248 Gebote (so viele wie nach damaliger Vorstellung Glieder im menschlichen Körper).
Der Tanach entstand im Laufe von ca. 1200 Jahren von 1000 v. Chr. bis 200 n. Chr. zuerst durch mündliche Überlieferung, später durch Schrift. Man geht davon aus, dass die Überlieferungen ziemlich korrekt sind, so dass die Texte auch noch heute ihren ursprünglichen Wortlaut haben.
Der Koran entstand im Laufe von 23 Jahren von 620 n. Chr. an. Es wurde dem Propheten Mohammed vom Erzengel Gabriel ins Herz geschrieben, der es auswendig rezitierte, da er nicht lesen und schreiben konnte.
Für alle Werke, also Tanach im Judentum, Altes und Neues Testament im Christentum und Koran im Islam gilt, dass die niedergeschriebenen Worte nicht vom Menschen, sondern von Gott selber stammen. Er hat sie selber formuliert und niederschreiben lassen. An ihnen darf kein Wort verändert werden. Dies ist mit ein Grund, weshalb man von hoher geschichtlicher Authentizität der Wiedergaben der Wortlaute ausgehen kann.
Das bedeutet aber nicht, dass die jeweilige Heilige Schrift auch unangetastet Bestand hatte und hat.
Für die Tora gilt die zeitliche Festlegung 400 v. Chr. Andere Schriften kamen dazu, bis 100 n. Chr. die Endgültige Fassung des Tanach (Tenah) festgelegt wurde. Dazu wurden z.B. alle griechischen und aramäischen Texte, die bislang dazu zählten wieder entfernt. Dazu wurden Texte interpretiert und festgelegt, andere verworfen und alle umgangssprachlichen und fremdsprachigen Stellen verändert oder ausgeschlossen. Dass heute keiner mehr das Hebräisch der Bibelhandschriften übersetzen kann geschweige denn weiß, wie es ausgesprochen wurde, ist der Preis dafür. Sprache verändert sich eben mit der Zeit.
Für das Christentum galten von vornherein die vier Evangelien, die Apostelgeschichte und viele Briefe zu den neuen Schriften (Neues Testament). Jedoch auch hier wurden Briefe aufgenommen, diskutiert und verworfen. Die Sammlung der Paulusbriefe z.B. wurde erst im 2 Jhd. beschlossen. Das Evangelium des Thomas wurde erst 230 n. Chr. bekannt. Im späten 2 Jhd. wurden die Schriften zusammengestellt, die Kirchenväter für authentisch hielten. Erst im 4. Jhd. wurde die endgültige Fassung erklärt. Anfang des 16 Jhd. erhielt die Bedeutung der altgriechischen Schriften (die von den Juden verfasste und selbst wieder verworfene Septuaginta, also das Alte Testament der Christen) andere Gesichtszüge, als Martin Luther die Texte neu interpretierte und sich dabei auf die ursprünglichen hebräischen Texte stützte.
Der Koran stammt nach islamischer Meinung direkt von Gott. Der dritte Nachfolger von Mohammed Othman schrieb als erster die Worte nieder, die Mohammed (Muhamad) im Zeitraum von 23 Jahren verkündete. Wissenschaftliche Koranforschung datiert die Wurzeln aber als älter. Quran (koran) ist aramäisch, genau wie sura (Sure) und aya (Vers). Es entstanden zahlreiche Koranvarianten. Für die Mehrheit der Muslime (Sunniten) gilt heute die offizielle Version von Kairo aus dem Jahr 1924, die sich auf den othmanischen Koran bezieht. Originale eines Othmanischen Koran gibt es nicht. Viele Muslime erkennen deshalb diese Version auch nicht als die einzig verbindliche Version an. Außerdem geht man inzwischen davon aus, dass ca. 25% des Koran falsch übersetzt wurde. Teilweise geschieht das mit absurden Übersetzungen wie „Dickichtbewohner“ (al-Aykah) statt „Stadtbewohner“ (Laykah=ptolemäische Hafenstadt). Die „Reformation des Koran“ steht wohl noch an.

Es wurde viel diskutiert und viele gelesen, viel übersetzt und viel abgeschrieben, neu übersetzt, verworfen, wieder erneuert und so weiter und so fort.
Es gibt kein von Gott diktiertes Schriftstück, nach dem wir heute ohne Interpretation leben könnten. Alles ist Geschichte und wurde durch die Menschen geprägt, die zu der Zeit lebten und dachten, was das richtige ist. Jemand, der willentlich ist, etwas zu glauben, wird über Inhalte und deren Wahrheitsgehalt, die sich auf das selbst geglaubte beziehen, anders urteilen, als ein Unvoreingenommener. Insofern sind die Entstehungen der Heiligen Schriften keine von außen kommende unverrückbaren Wahrheiten, sondern von innen bewertete gesellschaftliche Übereinkommen.

Gottesbild im Wandel der Zeit (lange Version von „mein Gott“)

Dass das Interpretieren von Geschichte auch auf das „von Gott diktiertes Wort“ zutrifft, will ich am Beispiel des Gottesbildes machen. Also davon, wie Gott im Wandel der Zeit gesehen wurde.

Frühgeschichte

Das Volk der Kanaanäer war von semitischer Herkunft und siedelte seit dem 3. vorchristlichen Jahrtausend im heutigen Palästina. Als Teil des phönizisch-syrischen Kulturgebietes verehrten sie dieselben Götter wie die Menschen im phönizischen Tyros, im syrischen Emesa oder im nordafrikanischen Karthago.
Grundsätzlich waren die Götterbilder im Alten Orient (Panthea), der orientalischen Kulturen, voll mit Göttern und Götterbildern, deren Verehrung häufig regional und manchmal auch zeitlich determiniert war. Die Art der Darstellung war in der Regel stilisiert und lässt es zu, Götter in Gruppen einzuordnen: So gab es in den verschiedenen Kulturen des Alten Orients Wettergötter mit sehr unterschiedlichen Namen, wie z.B. Adad, Teschub, Baal oder auch JHWH, die allesamt im Kontext bestimmter meteorologischer Erscheinungen wie Sturm oder Gewitter erwähnt und stiergestaltig dargestellt wurden. In der figuralen Darstellung waren sie zumeist schreitend, mit einer Kampfaxt oder Keule in der Hand oder aber mit Blitzbündeln abgebildet. Ursprünglich ist in Bethel (= „Haus des El“) ein Stierkult beheimatet gewesen, der im Laufe der Geschichte auf JHWH übergegangen ist.
Für die polytheistischen Kanaanäer gab es eine göttliche Vaterfigur – den Schöpfergott El. »El« ist das westsemitische Wort für »Gott« und bezeichnete bei den Kanaanäern den Vater aller Götter und Menschen. Man verehrte ihn als »Schöpfer der Erde«, als »Oberhaupt des Götterhimmels« und als »Stier, der das Universum erschaffen hatte«. Er galt als gutmütig und barmherzig, zugleich aber auch als schwach und zaudernd. Deshalb wurde er schließlich durch Baal vom Himmelsthron gestoßen.
El hatte zwei Gattinnen. Die Göttin Ascherat, die mit Astarte oder Tanit gleichgesetzt wird, war die »Mutter der Götter« und man verehrte sie auch als Shahar (»Morgenstern«).
Baal bedeutet »Herr« und war als einziger der Götter kein Sohn Els, sondern ein Sohn des Wettergottes Dagan, dem späteren Nationalgott der Philister. Nachdem er El vom Himmelsthron verdrängt hatte, nahm er Anat zu seiner Gefährtin. Seitdem wurde er als »Fürst und Herr der Erde« angebetet. Der Gott Jamm war als Gott des Meeres der Erstgeborene Els und machte deshalb Baal seine Herrschaft streitig. Nach einem Zweikampf wurde er von Baal getötet.
Der Gott Mot war der große Widersacher Baals und Herrscher der Unterwelt. Baal forderte Mot heraus und stieg in die Unterwelt, wo er starb. Aus Rache tötete Anat Mot und zerstückelte seinen Leichnam. Nach sieben Jahren wurden beide wieder erweckt und Mot musste Baals Herrschaft anerkennen.
Ab 1200 v. Chr. mit der Besiedlung Kanaans durch die Israeliten kam es zu einer Gleichsetzung des israelitischen Stammesgottes Jahwe mit dem kanaanitischen Gott El.  Damit wuchs ihm auch auch dessen Partnerin Aschera zu.
Seit dieser Zeit bezeichnet man Jahwe beispielsweise auch als El Olam (»Gott der Ewigkeit«). Selbst zwischen Jahwe und der Gottheit Baal gab es ursprünglich eine Verbindung, und gottergebene Israeliten wie Gideon (Ri 6,32) nannten sich Jerubbaal (»Baal kämpft«). Erst später wurde Baal zum verhassten Symbol für Heidentum und Götzenkult.
In der Anfangsphase der Geschichte Israels war die Religion Israels also polytheistisch. Laut Psalm 82 und 89 etwa, war JHWH ein untergeordneter Gott in einem kanaanäischen Pantheon oder Götterrat, dem EL oder Eljon an der Spitze vorstanden. Ob JHWH ursprünglich ein Wettergott oder eine Gottheit des El-Typs war, ist sehr umstritten. Es gibt aber Anzeichen dafür in den Schriften des Tanach.
Ein anderes Indiz für den Polytheismus sind die verschiedenen Gottesbezeichnungen wie Schrecken Isaaks, Starker Jacobs, die erahnen lassen, dass jeder Stamm bzw. jede Familie einen eigenen Schutzgott verehrte, der für die Belange der Familie verantwortlich gemacht wurde. Es handelte es sich also um polytheistische Formen der Familien- oder Stammesreligion.

Zeit der ersten Könige

In den Jahren von 1020 bis 722 v. Chr. herrschen die ersten Könige wie Saul, David oder Salomo über das Nordreich und Juda, bzw. das vereinigte Israel. In den Schriften der Richter und Königsbüchern wird deutlich, dass zwei konkurrierende Götter JHWH und Baal die Zweigleisigkeit des religiösen Systems darstellten. Unter den JHWH-Propheten Elia und Elisa formierte sich eine mächtige, wahrscheinlich politisch motivierte Opposition, die in Form von Wunderhandlungen die Priorität des JHWH-Glaubens unter Beweis zu stellen und den konkurrierenden Baalkult auszurotten versuchte.

Assyrisch-babylonische Zeit

In der zweiten Hälfte des 8. Jh. v. Chr. formiert sich auch die „JHWH-Allein-Bewegung“, als deren exponiertester Anhänger der Schriftprophet Hosea anzusehen ist. Dieser deutete die aggressive assyrische Invasionspolitik als Strafe JHWHs für die Untreue des Volkes Israel seinem Gott JHWH gegenüber, seit es „aus der Knechtschaft Ägyptens“ in das Land gekommen war. Die judäischen Könige Hiskia und Josia brachten das – vom deuteronomischen Gesetz inspirierte – Dogma von der Alleinverehrung JHWHs nach der Darstellung des Alten Testaments durch zwei Kultreformen voran. Nach dem plötzlichen Tod Josias blieben zumindest im Volksglauben einige synkretistische Kultformen (z.B. die Himmelskönigin) bestehen, die von Oppositionspropheten wie Jeremia und Ezechiel erneut angeklagt wurden. Und auch im Tempel scheinen, wenn man Ezechiels Berichten Glauben schenkt, wiederum Kultbilder aufgestellt worden zu sein.

Exil- und Nachexilzeit

597 v. Chr. erobert der babylonische König Nebukadnezzar Juda und deportiert Jojakin, den König von Juda und die gesamte Ober- und Mittelschicht nach Babylonien. Erst in der Exilzeit  (bis 538 v. Chr.) wird mit der Stimme des Deuterojesaja erstmals ein Programm entwickelt, das den praktischen JHWH-Allein-Glauben zu einem theoretischen Monotheismus weiterentwickelt. Seit dem wurden die Traditionen unter Betonung der Exklusion anderer Gottesvorstellungen weitergeführt, was bedeutet, dass JHWH alleiniger Gott ist.
In den Schriften findet sich der Gedanke der universalen Gültigkeit des einen Gottes für alle Menschen und Völker, sowie derjenige des Ausschlusses jeglicher Existenz anderer göttlicher Wesen. Gleichzeitig sieht die Mehrzahl der anderen alttestamentlichen Belege  in JHWH lediglich einen Gruppengott, nämlich den Gott Israels.
Während in der Genesis nahezu ausschließlich von ’älohîm „Gott“ die Rede ist, wird dieser in Exodus als Vätergott mit dem Namen Schaddaj vorgestellt, der sich von nun an erst unter dem Namen JHWH offenbart. Durch einer sich formierenden theologischen Bewegung war es gelungen, die traditionelle judäische Religion seit der Josiazeit langsam umzudefinieren und mit Erfolg zu behaupten, dass der Nationalgott JHWH schon immer Anspruch auf Einzigartigkeit erhoben hätte (Lang, 1981, 82f. vgl. ders., 2003, 110).
Solche Formen theologischer Engführung gibt es auch außerhalb des alten Israel, wie z.B. für Persien anzunehmen (Zoroastrismus; s. Hutter, 1996, 197ff).
„Der biblische Monotheismus ist ein Spätprodukt und steht nicht am Anfang, sondern am Ende der israelitisch-jüdischen Religionsgeschichte“ (B. Lang 1998, S. 161). M. Weippert (1994, 1ff) hat herausgestellt, dass die recht heterogene Textsammlung des Alten Testaments sehr unterschiedliche und vor allem durch das polytheistische Umfeld geprägte Bilder von seinem Gott bezeugt.

Gottesnamen

Der Gott Israels wird in den alttestamentlichen Schriften sowohl mit seinem Eigennamen als auch mit verschiedenen Beinamen und Appellativen bezeichnet. Dass der Gott Israels einen Eigennamen hat, lässt sich nur aus der Frühphase der Religion verstehen, die in einem polytheistischen Umfeld stattfand: Die Gottheiten waren anhand ihrer Namen unterscheidbar und den einzelnen Völkern zuzuordnen. JHWH war der Nationalgott Judas und Israels.
"(mein) Herr" (אֲדֹנָי, ’adonaj) als Ersatzbezeichnung verwendet. Die Masoreten haben dann auch in den Bibelhandschriften die Vokale dieser Ersatzlesung mit den Konsonanten des JHWH-Namens kombiniert. So sollte angezeigt werden, dass nicht der Name, sondern die Ersatzlesung zu sprechen ist. Diese Zusammenschreibung der Konsonanten des Namens und der Vokale der Ersatzlesung Adonaj (hochgestellt) führte zu dem Kunstwort jªhºwªh > Jehova.
In inner- und außerbiblischen Zeugnissen ist der JHWH-Name vor allem in der bekannten vierkonsonantigen Schreibweise hwhy belegt. Von daher rührt die Bezeichnung "Tetragramm" für JHWH, der vierbuchstabige Name. Spätere griechische Wiedergaben des Namens lassen erschließen, dass er als jahwäh ausgesprochen wurde. Mit zunehmendem Bewusstsein, dass es nur den einen Gott gibt, wird der Eigenname Gottes weniger wichtig. So ist folgerichtig, dass die erste griechische Übersetzung der Bibel den JHWH-Namen mit dem Appellativ "Herr" (κύριος, kyrios) wiedergibt. Ein vergleichbares Phänomen findet sich in den Schriften aus Qumran, wo vor allem אֵל, 'el, "Gott" benutzt wurde; auch im Neuen Testament steht vor allem das griechische Wort für "Gott" (θεός, theos).
El Schaddaj
Das AT betont zudem die Tatsache, dass der Name Gottes erst Mose im Zusammenhang der Offenbarung am Sinai mitgeteilt wurde. Dort steht ausdrücklich, dass Gott den Vätern nicht als JHWH, sondern als El Schaddaj erschienen sei (dies wird in der Regel mit "der Allmächtige" übersetzt).
Elohim und  'el, die beide einfach "Gott" bedeuten, höchster Gott ’el ’âljôn, Gott der Welt/ Weltzeit ’el ’olam, Gott von Bethel ’el bêtel, Gott des Vaters xy ’el ’ab xy
Deutlich ist jedenfalls, dass der Gott Israels in derselben Weise bezeichnet wurde wie die anderen kanaanäischen Götter der Nachbarvölker.

Jahweh ist für alle da (kurze Version von „mein Gott“)

Gott, Gottvater, Herr, Allah, Elohim, El, Baal, Abba, Jehova, … Die Aufzählung der Namen, mit denen der einzig wahre Gott bezeichnet wird, lässt sich noch lange fortsetzen. Sehr interessant ist dabei die Entstehung der wahren Gottheit, die keine anderen Götter neben sich duldet. Dass er keine anderen Götter neben sich duldet ist entwicklungsgeschichtlich nicht immer so gewesen. Auch im Judentum gab es eine Zeit, in der es mehrere Götter gab. Das war eine weit verbreitete Annahme, dass es Götter für verschiedene Dinge gab und zwar unabhängig vom geographischen Raum. Heute hat sich das in Indien im Hinduismus noch erhalten, wo Götter nebeneinander für oder gegen etwas sind, jemanden beschützen oder schaden wollen und sich mitunter auch untereinander bekämpfen. In den Hinduismus wird man übrigens hinein geboren. Es gibt kein rauskommen und und kein reinkommen. Missionsarbeit, welche oft kriegerische Ausmaße annahm und noch annimmt (Katholizismus, Islam) ist also überflüssig. Es gab also den Jahweh für den Stamm Jakobs, den Jahweh für das Dorf Judäa und so fort. Und alle Götter wurden verehrt. Glauben aus mesopotanischen, persischen, assyrischen, ägyptischen, griechischen, römischen, nordischen Reich vermengten sich immer wieder, die eine Religion entlieh aus der anderen etwas und bildete es weiter aus. Der sogenannte Polytheismus, also der Glaube an mehrere Gottheiten – männlich, weiblich sowie geschlechtsneutrale – war allgegenwärtig. Es dauerte ca. 1000 Jahre, bis sich im Lande Kanaan der Glaube an einen einzigen wahren Gott durchsetzte. Erst war es der Gott des Stammes Abraham, der sowohl im Judentum, wie auch im Christentum und Islam als Gründervater Israels gilt. Mit der Aufteilung durch seine zwölf Söhne in die zwölf Stämme Israels wurde es der Gott Israels. Erst später wurde er dann in einigen Schriften des Alten Testamentes (nicht in allen), der Gott aller auf der Welt. Genauso verhielt es sich mit seiner Zuständigkeit. Zuerst war Gott nur für Abrahams Sippe da, dann nahm er sich der Stämme an und hatte sein auserwähltes Volk. Schließlich kümmerte er sich um die ganze Menschheit. Eine beachtliche geschichtliche Entwicklung, die dazu sehr sonderbar anmutet, wenn man vergleicht, dass er sich auf der einen Seite einzelnen Menschen zeigte, sich ihnen offenbarte, sogar mit ihnen diskutierte und stritt und sich auch von ihnen umstimmen ließ, wenn er auf der anderen Seite so allmächtig ist, dass er Himmel, Erde und alles, was auf ihr kreucht und fleucht, erschaffen haben soll. Der Mythos von der einzig wahren Lehre
Religionen, in denen nur an einen einzigen Gott geglaubt wird – und dabei ist es egal, ob es sich um das Christentum mit seinen verschiedenen Richtungen, das Judentum, den Islam, die Zeugen Jehovas oder die Mormonen handelt, schließen aus, dass es andere Götter gibt. Damit sprechen sie auch allen anderen Religionen ihre Wahrheit ab. Wenn ich denn glaube, dass Gott der Herr das Universum mit allem darinnen geschaffen und den Menschen nach seinem Ebenbild gestaltet hat, dann gibt es keinen Raum für Krishna, Vishnu, Manitou, Gaia, Zeus, Mars, Athene, Re, Isis, Thor, Odin oder wen auch immer. Dafür gibt es keine Existenzgrundlage. Ich muss sie ablehnen. Und als Glaubender kann ich auch Belege dafür anbringen, dass das so stimmt: Gott hat mit einigen auserwählten Menschen gesprochen. Er hat sich ihnen zu erkennen gegeben. Er hat sich ihnen offenbart, ihnen gedeutet, was er mag und wie er behandelt werden will. Da gibt es also Zeugen für. Jetzt stellt sich die Frage, wie denn der Glaube an den einen Gott entstanden ist. Haben sich zuerst die Menschen Gott ausgedacht oder hat er sich zuerst offenbart? Wenn er sich zuerst offenbart hat, dann stellt sich die Frage, wie die anderen Menschen zu ihren anderen Vorstellungen von Religion gekommen sind. Die müssen sich ihre Religion dann ausgedacht haben. Egal, wie man es auch dreht und wendet, irgendwelche Menschen müssen sich Glauben an Götter oder ein Gottesbild ausgedacht haben. Und viele viele Menschen folgten ihnen. Gründe dafür zeige ich in diesem Buch genug auf. Abraham (der Gründervater des Monotheismus) hat sich also für einen Gott unter vielen Gottheiten entschieden und dies war die Richtige. Na, ja, dagegen ist Lotto noch wahrscheinlicher. Der Koran schildert, wie Abraham alle Götzenfiguren und -bilder, die sein Vater zum Verkauf geschnitzt hatte, bis auf die größte Figur zerstört hatte. Dieser größten Figur hat er eine Waffe geschnitzt und dann klar gemacht, dass diese eine Gottheit die anderen zerstört hat, um zu beweisen, dass er der einzige Gott ist, der existiert. Im Alten Testament werden sie diese Erzählung natürlich vergeblich suchen. Welche Religion wirbt schon damit, dass sich ihr Begründer alles selber ausgedacht hat. Aber auch wenn diese kleine Geschichte nicht stimmen sollte, zeigt sich in ihr, wie klein der Schritt ist, aus Glaubenden Zweifler zu machen. Religionen wurden ausgedacht, ersponnen und zusammengeschustert. Viele Religionen übernahmen Traditionen aus anderen Glaubensrichtungen.
Der Glaube an den einen wahren Gott, der den Himmel und die Erde geschaffen hat, ist also nicht vom Himmel gefallen. Er hat sich entwickelt, von der Vielgötterei zur Stammesgötterei zum israelitischen Gott und zum heutigen Gott.
Die Darstellung von Gott, bzw. Gott selber steht nicht für sich, sondern ist abhängig von der geschichtlichen Entwicklung der Menschen.

Feiertage in ihrer Entstehung

Jede Religion hat ihre Feste und ihre Feierlichkeiten, immer wiederkehrende Tage und Nächte, an denen besonderer Taten oder Ereignisse gedacht wird und die Auswirkungen auf den Menschen heute haben.
Weihnachten, Ostern, Pfingsten und Advent sind wohl die wichtigsten im christlichen Jahr. Jom Kippur (Versöhnungstag), sowie Pessach, Chanukka und Rosch Haschana (Neujahrsfest) sind die höchsten jüdischen Feste. Für die Anhänger des Islam sind es der Fastenmonat Ramadan mit dem sich anschließenden Fastenbrechenfest, das Opferfest, der Geburtstag Muhamads (Mevlid), das islamische Neujahrsfest (im Oktober) und das Ashura-Fest (Fasten- und Rettungstag des Propheten Moses).
Und natürlich hat jede Religion auch ihre eigene Zeitrechnung. So gibt es den Hebräischen und den Mohammedanischen, den Gregorianischen und den Julianischen, den Römischen, den Attischen (spezieller griechischer) und den Ägyptischen Kalender. Jedes Fest wird nach bestimmten Zeitrechnungen an bestimmten Tagen gefeiert und hat scheinbar nichts mit Feierlichkeiten der anderen Religionen gemeinsam.
Wenn die Christen also vom 24. Dezember bis 6. Januar Weihnachten feiern, hat das offenbar nichts mit dem jüdischen Chanukka (17. bis 24. Dezember) zu tun, an dem Die Reinigung und Wiedereinweihung des Tempels in Jerusalem und das Ölwunder gefeiert wird. Ebenfalls ist es dem Anhängern des Islam verboten, sich an christlichen Festen oder Bräuchen zu der Zeit zu beteiligen, da man ansonsten den Glauben der anderen unterstützen würde. Inhaltlich gibt es also keine Übereinstimmung. Und es sieht weiterhin so aus, als habe nichts mit dem anderen zu tun. Schauen wir uns mal verschiedene Feiertage an.
In Ägypten feierte man im Tybi das Nilfest. Tybi ist die Zeit von Ende Dezember bis Ende Januar römischer Zeitrechnung. Erwähnt wird das zum ersten mal im 2 Jhd. n. Chr. Zu diesem Zeitpunkt gab es noch kein Weihnachtsfest der Christen. Es begann aber ein Interesse an diesem Fest zu wachsen. Man nahm an, dass am 25. März, dem Frühlingsaequinoktium, also dem Tag, an dem Tag und Nacht gleich lang sind (Frühlingsanfang), sowohl der erste Schöpfungstag, wie auch der Kreuzestod Jesu als auch der Tag Marias Empfängnis war. Neun Monate zum Empfängnistag hinzugerechnet war der 25. Dezember. In Ägypten galt zu Beginn des 3. Jhd. ein Tag zwischen Ostern und Pfingsten als Geburtstag Jesu. In den ältesten christlichen Kalendern wurde Jesu Geburt und Tod auf den 14. Nisan (hebräischer Monat Nisan beginnt Mitte März des Gregorianischen Kalenders) gelegt, weil in der Haggada steht, dass Isaak, Christi Vorbild, am 14 Nisa geboren wurde. Die altpalästinenische Kirche feierte die Geburt Jesu Mitte Mai. In Rom wurde von Kaiser Aurelian 275 n. Chr. der Geburtstag des Sol Invictus („unbesiegter Sonnengott“) auf die Wintersonnenwende des Julianischen Kalenders, also den 25. Dezember gelegt. Der Sonnenkult hatte zu dieser Epoche seine Hochzeit. Manche sehen darin die Fortsetzung des alten Baalkultes. Dieses Sonnenwendefest war in vielen heidnischen Kulturen ein wichtiges Fest. Gegen Mitternacht wurden die Einweihungsriten gehalten. Als Reaktion darauf wurde um 300 n. Chr. die Geburt von Jesus auf den gleichen Tag gelegt. Vielleicht auch erst 354 n. Chr. von Papst Liberius, der es damit von der Epiphaniasfeier am 6. Januar loskoppelte. Somit wurde der Sehnsucht der Menschen auf der Nordhalbkugel, dass die Dunkelheit des Dezembers überwunden würde, eine christliche Form gegeben. Der syrische Kirchenschriftsteller benannte dies schon im 12 Jhd. In Jerusalem wurde das Geburtsfest erst im 6 Jhd. gefeiert. Heute feiern die meisten Christen am 25. Dezember. Die Armenische Kirche hält jedoch am 6. Januar fest. Aus dem nordischen, wo das Julfest zur Wintersonnenwende gefeiert wird, scheint der Weihnachtstermin nicht zu kommen, da die Datierung des Julfestes uneinheitlich und zu anderen Terminen erfolgte. Vermutlich wurde dieses Fest auf Weihnachten gelegt, also andersherum angeeignet. Interessant sind trotzdem die Rauhnächte, also die zwölf Nächte zwischen Weihnachten und dem 6. Januar, die prophetisch für die kommenden zwölf Monate waren und in denen viele Regeln beachtet werden mussten, damit das Glück den Bauern hold war. Z.B. wurde das Haus ausgeräuchert nach dem Motto Unglück hinaus und Glück hinein. Den Kelten war schon bewusst, dass in der Zeit die kosmische Strahlung und die Erdstrahlung besonders stark ist und sich schwächend auf Mensch und Tier auswirken können. Deshalb wurden zum Schutz entstrahlende Pflanzen wie Stechpalmen, Tannen oder Misteln, geschmückt mit Goldstückchen oder Schmuck in den Häusern aufgestellt. Ein Schelm, der dabei an den Weihnachtsbaum denkt.
Der Einfluss der Nordafrikanischen, ägyptischen Kirche ist viel wahrscheinlicher, da auch die Darstellungen des Isis und Osiris großen Einfluss auf die christliche Methode der Bebilderung der Heiligenbilder (Ikonographie) hatte.
Weit vor Christi Geburt wurde die personifizierte Ewigkeit als Gottheit Aion oder Äon dargestellt. Aion wurde in der Nacht vom 5. auf den 6. Januar von der Jungfrau Kore (Persephone) geboren. Epiphanius berichtete, dass noch zu seiner Seit, also Ende des 4 Jhd. dieses in Alexandria gefeiert wurde.
Sommer- und Wintersonnenwende, Frühlings- und Herbstaequonioktium, Baal und Isaak, Isis und Osiris. Alles dies sind Einflüsse, die die Geburt Jesu Christi auf den 25. Dezember legen ließen. Von Gottes diktiertem Wort ließt sich da wenig.
Ein weiterer Grund, der gegen den 25. Dezember als tatsächlicher Geburtstag Christi gilt, ist der Umstand, dass es Winter ist. Und Winter sind auch in Palästina kalt. Zu diesen Zeiten hatten die Hirten ihre Schafe nicht auf den Feldern, das geschah erst wieder nach der Ernte im Spätsommer. Nur dann bleiben die Hirten auch Nachts zusammen auf den Feldern. Und wem das noch nicht reicht: die Schilderung der reisenden Mutter, die kein Platz für ihre Geburt findet, kennt der griechische Leser von der Mutter Apolls. Wie ein Kind des Zeus bei Kallimachos in Windel gewickelt wird und das Dionysoskind in der Getreideschwinge liegt, so liegt bei Lukas das Kind in der Krippe.

Jungfrau oder nicht Jungfrau – das ist hier die Frage

Die Jungfrauengeburt spielte gerade schon eine Rolle. Kore (Persephone) gebar ihren Sohn als Jungfrau. Also weit vor Christi Geburt wurde in der griechischen Mythologie Aion von der Jungfrau Kore geboren. Bis zum Ende des 4. Jahrhunderts wurde dieses in Alexandria noch gefeiert. Dass ägyptische Riten auch bei christlichen eine Rolle spielen, werde ich ihnen im nächsten Kapitel noch näher bringen. Da die Jungfrauengeburt im christlichen eine große Rolle spielt, will ich sie noch kurz weiter beleuchten. In der Septuaginta, der griechischen Ausgabe des Alten Testamentes, das die katholische Kirche als Grundlage nimmt, ist beim Propheten Jesaja davon die Rede, dass eine „Jungfrau“ gebären wird. Der masoretische Text, also der hebräische Ursprungstext, spricht dagegen von einer „jungen Frau“.
Ist dies also ein Übersetzungsfehler oder eine bewusste Neuinterpretation?
In der ersten Zeit der Entstehung der Bibeltexte spielte die Jungfräulichkeit von Maria keine Rolle. Dies wird zum einen durch den Originaltext deutlich, bei dem von einer jungen Frau die Rede ist. Zum anderen Wird es dadurch deutlich, dass man Jesus nicht nur durch Maria, sondern auch durch Josef in eine heraustretende Stellung gebracht hat. Damit klar wird, dass Jesus von Gott gesandt ist, wurde er künstlich und fehlerhaft in der Erbfolge auf David zurückgeführt. Dies sowohl über Marias als auch über Josefs Erblinie. Dabei spielt Josef doch wohl keine Rolle. Also eine überflüssige Herleitung? Eher nicht, denn die Jungfräulichkeit Marias spielte erst zum späteren Zeitpunkt eine Rolle. In der Katholischen und Orthodoxen Kirche gar soweit, dass Maria vor und nach der Geburt Jesu Jungfrau war und geblieben ist. Denn nur ein vollkommen sündenloser Mensch kann alle Menschen von der Erbsünde befreien. Und wenn Maria und Josef Sex gehabt hätten, wäre Jesus ja nicht sündenlos. So steht es im Canon der Lateransynode von 649 unter Papst Martin I. Zu diesem Zeitpunkt wurde festgelegt, dass Maria Jungfrau war, als sie Jesu Christi gebar. Das sollten sie als Christen immer beherzigen: Sex, wenn nicht zum Wohle des Christentums, ist Sünde.
Für die Islamgläubigen gilt übrigens auch die Jungfrauengeburt, wenngleich im Koran wie auch in der Bibel der Umstand der Jungfräulichkeit Marias nur sehr zurückhaltend beschrieben ist. Sure 19 schildert die Weihnachtsgeschichte. Im Koran ist Maria übrigens die einzige erwähnte Frau.
Im Judentum gilt Maria als große Tochter Israels.
Vor dem Urknall spielte es keine Rolle, ob eine Jungfrau was besseres oder was schlechteres war. Frauenschuh und Frauenmantel hießen nicht Jungfrauenschuh und Jungfrauenmantel...

Heidnische Bräuche als feste Größen im Kirchenalltag

Weihnachtsbaum, Adventskranz, Osterhase, Ostereier, Jungfrauengeburt, Krippe sind hinlänglich bekannte Symbole für religiöse Feste. Dass diese Symbole aber nicht nur christlichen Bezug haben, wurde vielleicht schon im vorigen Kapitel deutlich. Und in der Tat finden sich viele Symbole auch schon vor der christlichen Zeit.
Der Adventskranz findet seine Historie vielleicht in der Geschichte vom Theologen Wichern, der im Jahre 1839 ein Wagenrad mit Tannenzweigen und Kerzen schmückte, um seinen ungeduldigen Kindern die Wartezeit auf Weihnachten zu verkürzen. Vielleicht aber auch im Julkranz der nordischen Tradition. Jul als das Rad des Lebens wurde als Kranz aus immergrünem Buchsbaum, Tannenbaum, Eibe, Fichte u.ä. geflochten und mit vier Kerzen bestückt, die alle angezündet wurden und bis zur Wintersonnenwende immer eine Kerze weniger zum Zeichen der abnehmenden Sonne. Zum Fest gab es dann ein großes Lichterfeuer. Gehen wir aber mal von der protestantischen Version des Wichernkranzes aus. Er fertigte ein Wagenrad mit vier großen und 19 kleinen Kerzen. Für jeden Tag zwischen dem ersten Advent und Weihnachten eine Kerze und für die Sonntage eine große Kerze. Ziel des ganzen war es, den Kindern die Wartezeit bildlich zu machen. So kann also jedes Kind sehen, auch wenn es noch nicht zählen kann, wie lange es noch bis Weihnachten dauert.
Das war eine christliche Institution, die Wichern leitete. Daraus abzuleiten, dass alles, was er tat, christlich ist, ist sehr kurzsichtig. Das Mittel der Visualisierung ist ein sehr probates Mittel in der Pädagogik. Und es ist unabhängig von glaubenspolitischen Richtungen oder Ausprägungen. In jeder Erzieherschule wird den angehenden Pädagoginnen und Pädagogen erklärt, mit welchen Mitteln man Kindern Dinge kindgerecht näher bringen kann. Das Wagenrad ist keine christliche Erfindung, die grüne Umrandung auch nicht. Kerzen gibt es schon lange, damit die Menschen im Dunkeln was sehen können. Die Visualisierung ist auch keine Gottgegebene Erneuerung. Nichtsdestotrotz wurde aus der Idee des Stifters für die Betreuung von Kindern ein christliches Symbol.
Leider fehlt in allen geschichtlichen Erzählungen der menschliche Antrieb, beim Anblick einer Blüte den Drang zu verspüren, an ihr zu riechen. Dies geht eindeutig und ohne bisher von irgendjemandem widersprochen auf die Urkultur der Welt zurück, als die Welt noch eine große Blumenwiese war und es nur so duftete, dass es eine Freude war. Damals, vor dem Urknall.

Wer braucht die Existenz von Gott

Wenn es eine akzeptierte Frage ist, wozu Gott die Menschen erschaffen hat, dann kann es doch auch nur folgerichtig sein, die Frage umzudrehen. Also wozu braucht der Mensch Gott, oder wer profitiert eigentlich von der Existenz Gottes? Man könnte annehmen, es ist die Gemeinschaft der Menschen.
Je nach Religion zählt der einzelne der Gemeinschaft mehr oder weniger. Im irdischen Dasein können es in diesen Gemeinschaften auch Herrscher sein, die sich als auserwählte Gottes bezeichnen und somit etwas völlig anderes erreichen, als vielleicht ursprünglich beabsichtigt. Nämlich, dass sie größere Macht erhalten, um ihre Vorstellungen durchzusetzen. Ein sehr bekanntes Beispiel dazu ist Ludwig IX, der Sonnenkönig.
Stufe 1
Als er nach 23 Ehejahren seiner Eltern ohne Kinder endlich geboren wurde, blieb dadurch die befürchtete Thronfolge des unbeliebten Gaston d'Orléans aus. Aus Dankbarkeit erhielt der Neugeborene den Beinamen Dieudonné (der Gottgegebene).
Stufe 2
Der nächste Schritt erfolgte 1654, als er inmitten heftiger Thronstreitigkeiten gekrönt wurde. Bei der Krönung erfolgte in der Kathedrale von Reims auch eine Salbung. Sie sollte für die Menschen bewusst als Symbol für Kontinuität und den Schutz Gottes über den König stehen.
Stufe 3
In der Folge seiner Herrscherzeit erbaute er das Schloss Versailles. Er band den Adel an sich, der sich nicht leisten konnte, dem Hofe fernzubleiben. Somit setzte der König Bürgerliche in die Funktionen der Aristokraten und behielt damit die Macht im Lande. Der Prunk des Schlosses war eine einzige politische Aussage:  Der König ist der Garant für Ruhe, Ordnung und Wohlstand des Staates, der einzige Stellvertreter Gottes auf Erden und niemand kommt seiner Macht gleich. Ein Zitat des Herrschers belegt den Rest: „Es ist Gottes Wille, dass, wer als Untertan geboren ist, willenlos gehorche. Es gibt keinen unumstößlicheren Grundsatz in der ganzen Christenheit als diese demütige Unterwerfung der Untertanen unter ihren Herrscher.“
Mit der Existenz Gottes festigt der Herrscher also seinen Anspruch auf seine Position. Gefickt eingeschädelt...

Gott als Hoffnungsträger

Warum glauben Menschen an einen Gott?
Weil es Ihnen Hoffnung bietet. „Hoffnung bezeichnet den Grund und die Voraussetzung für Veränderung sowie für jeglichen Fortschritt im Sinne der Verbesserung eines gegenwärtigen Zustandes.“ (Brockhaus) „Wenn wir die Hoffnung aufgeben, dann sind wir verzweifelt.“ (Das Prinzip Hoffnung) „Ja, wir müssen alles tun, um Leid zu überwinden, aber ganz aus der Welt schaffen können wir es nicht – einfach deshalb nicht, weil wir unsere Endlichkeit nicht abschütteln können und weil niemand von uns imstande ist, die Macht des Bösen, der Schuld, aus der Welt zu schaffen, die immerfort – wir sehen es – Quell von Leiden ist. Das könnte nur Gott: Nur ein Gott, der selbst in die Geschichte eintritt, Mensch wird und in ihr leidet.“  Papst Benedikt XVI. Spe salvi von 2007)
Bedeutet was?
In der Psychologie ist man sich sehr einig, dass die menschliche Psyche ausschlaggebend verantwortlich für die Erreichung von Zielen ist. Wenn man nicht an seinen Erfolg glaubt, wird man sich auch letztlich nicht durchsetzen können. Wenn man nicht glaubt, dass ein Medikament einem hilft, dann hilft es auch nicht. Und wenn man nicht mehr auf einen positiven Ausgang der Situation hofft, dann gibt man nicht nur die Situation auf, sondern auch sich selber.
Also braucht der Mensch Hoffnung in seinem Leben. Hoffnung, dass er was zu Essen findet, dass er einen Partner findet, vielleicht Familie gründet und dass er im Alter nicht alleine bleibt. Hoffnung, dass sein Leben nicht vergeudet ist, dass es einen Sinn erfüllt. Die Lebensumstände der Natur sind jedoch alles andere als liebevoll und fair. Das Leben ist Kampf ums Überleben. So wie in Afrika in der Wüste, so auch in Deutschland im Luxusviertel. Die Kampfmittel sind andere und wir haben kulturell viel erreicht, damit der Stärke dem Schwächeren nicht die Keule auf den Kopf haut und sich nimmt, was er braucht. Im Übrigen auch eine Hoffnung, die man hat, dass der Stärke sich bitte auch an diese Regel hält. Wir sind so sehr im Kampf ums Überleben verstrickt, das wir gar nicht merken, dass es ein Kampf ist. Es ist selbstverständlich, dass ich morgens aufstehe und zur Arbeit gehe, dass mein Arbeitgeber mich bezahlt und ich mir davon was zu Essen kaufen kann, die Miete bezahle, meine Kinder ernähre, die Hundesteuer bezahle, das Auto abbezahle, den Urlaub finanziere,...
Mein Job erfüllt mich (dann habe ich sehr viel Glück) oder er ist eine lästige Pflicht. In diesem Falle ist es Alltag. Er kann auch ausbeutend sein. Wie auch immer er ist, hoffe ich aber darauf, am Ende alle Ausgaben von dem Geld bezahlen zu können, was ich verdiene.
Diese Hoffnung kommt nicht von alleine. Sie kommt aus der menschlichen Haltung oder aus dem, was einem versprochen wird, von dem man glaubt, dass es eintrifft. Es gibt Menschen, die sind ein Quell an Zuversicht. Ihnen geht nie der Optimismus aus, dass das alles schon irgendwie klappen wird. Letztlich wird ihnen auch viel gelingen. Die Hoffnung darauf, dass es gelingt ist ein wichtiger Baustoff dazu. Anderen Menschen tritt die Hoffnung nicht aus jeder Pore. Sie benötigen Orientierungshilfen und Zuspruch. Zuspruch in Form „das wird schon, wirst schon sehen“ oder „ich steh das mit dir durch“.
In unserer monotheistischen Welt haben wir ein Prinzip Hoffnung, auf dass ich mein Augenmerk, bzw. ihr Augenmerk lenken will: Gott sieht alles und am Ende entscheidet er. Mit dieser Hoffnung lässt sich vieles viel leichter ertragen. Warum sonst wird in Notsituationen zum Gebet gegriffen? Warum sonst wird, wenn es drauf ankommt und große Gefahr droht, plötzlich der Glaube wieder ausgepackt und Mann und Maus wird gottesfürchtig? Es ist tief in uns drin, weil es in unserer Kultur eine wichtige Rolle spielt. Selbst für die Atheisten und die Agnostiker spielt es eine Rolle, in einer Gesellschaft zu leben, die von diesem Grundsatz geprägt ist. Papst Benedikt bringt es auf den Punkt, wenn er schreibt: „aber ganz aus der Welt schaffen können wir es (das Leid) nicht“. Das Leid ist in unserer Welt. Wenn ich den Fernseher anmache und die Nachrichten sehe, prallt mir die leidvolle Welt nur so ins Gesicht. Als gläubiger Mensch habe ich es einfacher. Das Leben ist leichter zu händeln, weil ich davon ausgehen kann, dass nach dem Tod nicht alles vorbei ist. Es macht einen Sinn zu leben, auch wenn es hart ist, wenn ich früh sterbe oder meine Kinder vor mir sterben. Es wird viel viel erträglicher, wenn ich dem Leben Hoffnung von einer anderen, viel größeren als der menschlichen Kraft geben kann. Einer Macht, die nie versiegt, bei der ich mir keine Gedanken machen muss, ob sie in hundert Jahren auch noch da ist. Einer Kraft, die ewig andauert und bei der ich davon ausgehen kann, dass am Ende des eigenen Lebens ich Teil von etwas Wundervollem bin. Gläubige leben hoffnungsvoller als Ungläubige. Und das ist auch ein Grund, warum es so leicht fällt, zu glauben. Auch wenn einem die Geschichten und Gleichnisse, die Daten und Gebete komisch vorkommen. Der Bauch will glauben, weil es der einfachere Weg ist. Und er überzeugt auch oft den Kopf damit. Und ein gutes Bauchgefühl ist allemal viel wert. Es stärkt die Hoffnung. Damit wird der Glaube Nahrung für die menschliche Hoffnung. Aber nicht weil er wahr ist, sondern weil die Hoffnung darauf, dass er wahr ist, besteht. Der Glaube vermag also wie bei einem Perpetuum mobile sich selber immer wieder Energie zu geben. Und er hat noch Energie für andere Prozesse übrig. Eine wundersame Erfindung des menschlichen Bedürfnis nach lebenswerter Zukunft.

Gott als sinnstiftende Institution

Das geht soweit, dass der Glaube an Gott zum Lebensinhalt werden kann. Nicht nur, dass ich Hoffnung habe, dass am Ende meines Lebens ich eine positive Vergeltung für meine Mühsal auf Erden erhalte, sondern auch, dass ich anderen Menschen beibringen will, wie sehr ich doch Recht habe mit meiner Haltung und meinem Glauben. Wie viel einfacher ist es, mein Leben zu meistern, wenn ich ihm einen Sinn geben kann. Nicht nur stumpf meinen Alltag zu leben, leben um zu überleben und nach mir die Sintflut, sondern behaupten zu können, dass ich das mache, weil es einen tieferen Sinn dafür gibt, macht mein Handeln für mich zufriedener. Ich fühle mich wohler in meiner Haut. Wenn ich als denkendes und reflektierendes Wesen etwas mache, weil es meiner Natur entspricht und es zur Arterhaltung dient, oder ob ich gefordert bin, eigenständig mein Leben selbstbestimmt zu gestalten und dabei darauf zu achten, dass ich meinen Weg als sinnvoll erachte, ist ein großer Unterschied. Sinnvoll erscheint ein Leben dann, wenn es einer bestimmten Wertevorstellung entspricht. (Friedrich Schleiermacher, 1792/93)
Ganze Religionszweige gehen davon aus, dass der Mensch hier auf der Erde ist, weil Gott es ihnen als Prüfung auferlegt hat. Nur dann, wenn sie das Leben hier auf der Erde im Glauben an Gott gestalten, können sie am Ende ihres Lebens, also nach ihrem Tod zu Gott in den Himmel kommen. Mit dem Bild, dass das Leben eine Prüfung darstellt, lassen sich viele viele unangenehme Dinge im Leben leichter aushalten. Es gibt vor, dass am Ende was positives dabei herum kommt. Der Glaube an Gott ist an sich also eine Hilfe für den Menschen. Ob es ihn gibt, ist davon gänzlich außen vor gelassen. Wie heißt es so schön: Der Glaube kann Berge versetzen. Wird dadurch die Existenz Gottes wahrscheinlicher? Nein, eher das Gegenteil. Wird doch deutlich, dass der Mensch ein großes Interesse daran hat, dass es einen Gott gibt, der am Ende alles gut ausgehen lässt. Was liegt da näher, als an dem festzuhalten, was einem das Leben sinnvoll erscheinen lässt. Ich werde sie nicht überzeugen können, an eine Blumenwiese vor dem Urknall zu glauben, wenn ich ihnen a) nicht stichhaltige Beweise oder b) eine sinnhafte Erklärung geben kann. Vielleicht dadurch, dass ich ihnen vormache, dass Gott in einer Blüte geboren wurde. Einer Blüte ewigen Lebens und unglaublichen Duftes.

 

Gott als soziale Regel des Zusammenlebens

Die Tora im Judentum, die Scharia im Islam und die Bergpredigt im Christentum sind richtungsweisend für das menschliche Zusammenleben und den Umgang mit Gott. In ihnen wird geregelt, worauf ein Gläubiger zu achten hat, wie er sich zu verhalten hat und wie er seinem Mitmenschen begegnen soll. Dort ist aufgeführt, was verboten und was erlaubt ist und dass Gott über die Einhaltung der Regeln wacht. Es stellt sich die Frage, warum Gott den Menschen vorgibt, wie sie miteinander leben sollen, wenn er ihnen doch die Freiheit gibt, sich auch für das Böse zu entscheiden? Weshalb ist einem Gott daran gelegen, vorzuschreiben, wie Menschen untereinander sich verhalten? Wenn in der Natur der Tiere nur der Stärkere überlebt, warum soll bei den Menschen es anders sein? Weil er seine Menschen liebt? Warum erschafft er nicht alle Menschen gleich stark? Eine Antwort: die Wege des Herrn sind unergründlich. Eine andere: die Regeln stammen nicht von Gott, sondern von Menschen. Für uns Menschen ist es wichtig, dass wir in sozialen Gefügen leben. Alleine sind wir nicht lebensfähig. Und innerhalb dieser Gemeinschaft leben Starke und Schwache, Gescheite und Einfältige, große und kleine Menschen, Männer und Frauen, Alte und Kinder, Handwerker und Dienstleister, Polizisten und Gauner. Und alle wollen überleben. Und wenn es geht, auch gut leben. Damit das funktioniert müssen Regeln des Zusammenlebens erstellt werden. Wenn die Gemeinschaft groß genug ist, braucht es Leute, die sich ausschließlich darum kümmern, Politiker oder Herrscher. Aber gehen wir noch mal eine Stufe zurück. Wenn sich Menschen zusammentun, brauchen sie Regeln, die für alle gelten. Diese Regeln müssen von allen akzeptiert werden, sonst machen sie keinen Sinn oder müssen ständig erkämpft werden. Wenn sie ständig neu erstritten werden müssen, gewinnt immer der momentan Stärkere. Das ist für das Zusammenleben eine große Belastung und ein Mangel an Zuverlässigkeit. Zuverlässigkeit braucht es aber, damit die Gemeinschaft und nicht nur der Stärkere in ihr überleben kann. Somit ist es für die Gesellschaft hilfreich, Regeln auf etwas aufzubauen, was mehr Macht und Einfluss hat, als der Stärkere in der Gruppe. Wenn man also einen universellen Anspruch auf bestimmte Regeln einfügt, benötigt die Gemeinschaft weniger Kraft, um die Regeln ständig neu durchzusetzen und gewinnt somit größere Überlebenschancen. Man müsste etwas nehmen, wovor auch die Stärksten Respekt haben. Was liegt also näher, dass man sich der Gottheiten bedient, an die man ohnehin glaubt? Eine Gottheit, die für unsere Gemeinschaft zuständig ist, ein JHWH unserer Sippe also. Wenn JHWH der Schutzgott für die eigene Sippe, Familie oder Stamm ist, dann will er auch, dass dieser Stamm überlebt. Also hat er auch ein Interesse daran, dass die Regeln der Menschen eingehalten werden. Somit werden aus den von Menschen erstellten Regeln göttliche. Na, ja, sie werden es nicht von alleine. Der Mensch muss sie schon zu solchen machen. Und das kann er nur, wenn er deutlich macht, dass er als Mensch im Auftrag der Gottheit handelt.

„Das kann man nicht erklären. Das muss man glauben.“

Kennen sie den Satz auch? Für mich ist das immer der Punkt, an dem ich hellhörig werde. Dabei geht es mir nicht um den Umstand oder die Sachlage, die gerade nicht erklärt werden kann, sondern um die Sichtweise der Person, die diesen Satz zu diesem Zeitpunkt und auf eine bestimmte Frage antwortet. Zeigt es mir doch, dass die Person gerade an einen Punkt gelangt ist, an dem sie nicht weiter weiß und versucht, eine allgemeingültige Erklärung zu geben, die da lautet: es braucht hierfür keine Erklärung. Natürlich gibt es Dinge, für die es keine Erklärungen gibt. Vielleicht gibt es sie irgendwann, aber nicht zum jetzigen Zeitpunkt. Außer mir wird ihnen z.B. keiner sagen können, was vor dem Urknall war. Ich aber sage Euch: vor dem Urknall war eine große Blumenwiese.
Der antwortenden Person jedoch gehen gerade die Argumente aus. Das passiert jedem irgendwann. In diesem akuten Gespräch geht es jedoch gerade um etwas essentielles. Und die antwortende Person trägt einen Konflikt mit sich aus, dem sie mit dem Glaubenscredo begegnet. Wie werden mit zwei Brote und fünf Fische 5000 Menschen satt und es bleiben noch Körbe von Essensresten übrig? Mein Verstand und meine Erfahrung sagen mir, wenn ich etwas (Materie) wegnehme ist weniger da als vorher. Im christlichen Glauben bleibt am Ende mehr übrig, als am Anfang vorhanden war. In diesem Falle nennen die Christen das Wunder. Ein Wunder ist also etwas, was eigentlich nicht geht. Damit es aber doch erklärbar ist, bekommt es den Titel „Wunder“. Und dieses Wunder tut Gott. Dies ist die sehr menschliche Verhaltensweise, sich die Dinge zu erklären. Wenn es draußen ganz laut kracht, dann weil ein Gott seinen Hammer schwingt. So gibt es dann einen Donnergott. Wenn die Sonne am Himmel einen Bogen beschreibt, abends nicht mehr da ist und morgens wieder auftaucht, dann zieht ein Sonnengott die Sonne mit seinem Wagen über die himmlische Bahn. Wenn die Erde plötzlich unter Wasser steht, dann hat Gott die Fluten geschickt, um die böse Menschheit auszulöschen. Die Sintflut ist übrigens kein Alleinstellungsmerkmal des alt-testamentarischen Glaubens. Auch in anderen Religionen – und das vor der Entstehung des Judentums – gibt es Beschreibungen von Sintfluten. Ob es also ein Wunder Gottes ist hängt davon ab, ob ich es mit „naturwissenschaftlichen“ Argumenten erklären kann, oder nicht. Kann man erklären, mit welchen medizinischen Mitteln Jesus es geschafft hat, dass ein Blinder wieder sehen kann, ist es ein gutes menschliches Verhalten von Jesus. Kann ich es nicht erklären, ist es ein Wunder Gottes. Kann man erklären, mit welchen wolkentechnischen Konstellationen es donnert, ist es ein Gewitter. Kann ich es nicht, ist es der Donnergott Thor. Kann ich erklären, was vor dem Urknall war, handelt es sich um wissenschaftliche Erkenntnisse. Kann ich es nicht, gibt es auch keinen Gegenbeweis für die Behauptung, dass alles eine schöne große Blumenwiese war. Glauben Sie mir!

Naturwissenschaft ist kein Ersatz für Gott

Ganz bestimmt nicht. „Ich glaube nur, was ich sehen und begreifen kann“, ist keine Alternative zum Gottesglauben. Wer denkt, er könne alle Wunder der Bibel, der Tora, des Koran irgendwann mit naturwissenschaftlichen Mitteln erklären, ist auf dem Irrweg. Schon immer beschäftigt sich der Mensch mit den Dingen und ihren Entstehungen. Daraus wurden irgendwann Regeln, wie etwas nachgewiesen werden muss. Ein Medikament ist dann als Medikament zugelassen, wenn der Hersteller bewiesen hat, das es wirkt. Die Erdanziehungskraft ist dann nachgewiesen, wenn man ein Experiment dazu an jedem beliebigen Ort der Erde zu jeder beliebigen Zeit machen kann und immer das gleiche Ergebnis herauskommt. Stütze ich mich jetzt auf die Erkenntnis, dass nur gilt, was wissenschaftlich erklärbar ist, ist meine Rede schnell beendet. Die menschliche Wahrnehmung ist alles andere als genau. Sehr viele Experimente zeigen, dass sich unser Gehirn, unsere Wahrnehmung ständig täuschen lässt. Wir nehmen die Welt so wahr, wie wir glauben, dass sie ist. Wir werden noch viele wissenschaftliche Erkenntnisse über den Haufen schmeißen müssen, weil sie auf unseren Wahrnehmungen beruhen, die falsch, bzw. anders als bei meinem Mitmenschen sind.
Es gibt nicht wenige Spitzennaturwissenschaftler, die von der Existenz Gottes überzeugt sind, weil sie erkennen, dass viel Dinge so exakt sein müssen, weil sonst alles auseinander fliegen würde. So muss z.B. die Erde mit einer auf eine xte Kommastelle genaue Geschwindigkeit um die Sonne kreisen, weil sie sonst aus ihrer Bahn kommen würde. So eine feine Genauigkeit sprechen einige Astronomen nur einer göttlichen Vorhersehung zu.
Die Naturwissenschaft hat aber auch dazu beigetragen, dass wir Dinge und Zusammenhänge sehen und erkennen, denen vorher Göttlichkeit zugesprochen war. Es gab auf der einen Seite die historische Zeit der Aufklärung im Abendland im 18 Jhd., als das Volk lesen lernte und die Volksfrömmigkeit abgelegt wurde, Machtstrukturen sich veränderten, Kirchenoberhäupter von ihrer weltlichen Macht beschnitten wurden oder beschnitten werden sollten und die Vernunft als wesentliches Merkmal der Sicht der Dinge zu gelten begann. Es gab eine handvoll bibelkritischer und Vernunftreligion propagierender Theologen. Ansonsten versuchte man die neu entdeckte Vernunft, die Ratio, als Geschenk Gottes zu sehen und mit ihr die Vollkommenheit der Schöpfung Gottes zu erkennen. Dass der Mensch Vernunft besitzt, macht ihn zum Ebenbild Gottes. So jedenfalls die christliche Kirche. In der jüdischen Tradition brachte die Haskala, die Aufklärung am Ende des 18 Jhd. im jüdischen Gebiet ebenfalls eine Trennung von weltlicher und religiöser Macht. Erfolgreich war das in West- und Mitteleuropa. In Osteuropa waren die orthodox jüdischen Kreise stärker. Im Islam gab es keine Zeit der Aufklärung. Der Islam war mehr im asiatischen Raum beheimatet und die Zeit der Aufklärung war eine auf Europa bezogene geschichtliche Epoche.
Man unterschied philosophisch in Deismus und Theodizee. Der Deismus sah sich als Vernunftreligion, in der Gott als Schöpfer der Naturgesetze auftaucht, aber aus dem aktuellen Weltgeschehen raus gedrängt wurde, da er der Welt seinen Lauf lässt. Das „Uhrwerk“ Welt wurde ein beliebter Begriff. Man argumentierte mit der Naturwissenschaft, dass das perfekte Zusammenspiel der Natur, dass alle Lebewesen in perfekt organisierten Gleichgewichten lebten, nur von einem vollkommen perfekten Gott hätte geschaffen werden können. Später formulierte man, da unsere Welt doch nicht so perfekt sei, müsse es im Weltraum weitere belebte und von Gott geschaffene, perfekte Welten geben. Es kam eine neue Art der Sichtweise mit Rousseau ins Spiel, als er nach dem Erdbeben in Lissabon von 1755 erklärte, dass die Natur und auch der Mensch von Natur aus nicht schlecht seien, wohl aber die Lebensweisen von Menschen und hier speziell die Art Städte zu bauen Schuld an der Katastrophe hätten. Gott gab den Menschen die Freiheit, Fehler zu machen. Das Theodizee war geboren. Es bestimmt noch heute die christliche Sichtweise. Der Deismus brachte dem Menschen wenig Wohlfühlathmosphäre entgegen und wurde versucht im 19 Jhd. durch Materialismus zu ersetzen, in dem für Gott kein Platz mehr war.

Zufall oder Plan, Chaos oder Ordnung

Somit sind wir wieder bei der Sicht der Dinge aus naturwissenschaftlichem Blickwinkel. In der Frage, ob die Erde ist, wie sie ist, weil sie eine Folge von Zufällen ist oder ob sie von vornherein so geplant und gestaltet wurde, schwingt die Frage mit, ob wir uns in einem chaotischen Zustand oder in einer absoluten Ordnung befinden. Dem Glauben nach hat Gott die Welt erschaffen. Er erschuf Himmel und Erde, Pflanzen Tiere und Menschen. Die Welt ist so wie sie ist, weil Gott sie so gestaltet hat. Komme ich zur ersten Frage: wann hat Gott die Welt erschaffen? Nach dem Urknall, mit dem Urknall oder vor dem Urknall? Also gab es den Urknall und welche Bedeutung hat er für den Planeten Erde. Hat der Urknall die Planeten geschaffen und Gott hat auf dem existierenden Planeten Erde das Leben erschaffen oder hat er die ganze Erde geschaffen? Was ist dann mit der Urknalltheorie? Ist die belegbar oder gilt die für den religiösen Glauben nicht? Für die Juden ist der Tanach Gesetz und danach ist die Erde mit den Lebewesen, vor allem der Menschen ca. 5000 Jahre alt. Das rechnen sie anhand der Stammesgeschichte von Abraham, Adam und Eva und allen Nachfolgern aus, so wie sie in den Büchern Moses aufgeschrieben sind. Evolution, wie sie Charles Darwin in seinem Buch über die Entstehung der Arten (1859) beschrieben hat, hat im Judentum keinen Platz. Die Christen sehen es viel pragmatischer. Zuerst mal verneinen sie die Entstehung des Menschen in der Art, wie Darwin es aufgeschrieben hat. Zur Evolutionstheorie sagen sie inzwischen, dass es mehr als eine Hypothese ist. Zuerst durch Papst Pius XII 1950 beschrieben und auch durch Johannes Paul der II 1992 festgehalten sagen sie, dass es eine ernsthafte Hypothese ist, die Darwin aufgestellt hat. Für die Christen ist es etwas einfacher die Evolution als Gottes Werk anzusehen, da sie die Bücher Moses als wichtige historische Bücher ansehen und nicht als Gesetz des Glaubens. Somit kann die Erde auch älter als 5000 Jahre sein. Allerdings kann der Mensch mit seinem Geist oder seiner Seele kein reines Produkt aus Materie sein. Hier liegt also Gottes Schöpfung vor. Die Geistseele trennt den Menschen vom Tier, weil sie nicht durch Evolution entstanden sein kann. Die katholische Kirche lehrt, dass jede Geistseele unmittelbar von Gott, und nicht von den Eltern, geschaffen ist und zwar als unsterbliche Seele. Weihbischof Prof. Dr. Andreas Laun beschreibt den Spagat mit der Naturwissenschaft so, dass es keinen Widerspruch zwischen Glauben und Wissenschaft gibt. Das ist eine katholische Selbstverständlichkeit. Wenn man meint einen Widerspruch zu entdecken, muss man mit Geduld den Fehler suchen und entweder die Ergebnisse der Wissenschaft korrigieren oder erkennen, dass man den Glauben falsch verstanden hat.
Im Islam hat sich noch keine Meinung zu dem Thema Darwin durchgesetzt. Im Koran dauert ein Tag auch schon mal 1000 oder gar 50.000 Jahre. Das Alter der Erde ist also für den Islamgläubigen kein Glaubensumstand. Mohamads Aufforderung, „suchet Wissen“ ist im Laufe der Jahrhunderte eher dem „fürchtet Wissen“ gewichen, nicht zuletzt weil die überbordende Bedeutung der konservativen Auslegung islamischer Quellen durch die frühen Gelehrten schon fast sakralen Charakter aufweist. Emina Corbo-Mesic, Lehrbeauftragte für Islam an der Hochschule Ludwigsburg, erklärt uns, dass Leben nur aus Leben entstehen kann. Dafür grundlegend ist Wasser, denn Gott hat laut Sure 21,30 und 24,45 alles Leben aus Wasser geschaffen.
Der Bereich, in denen die Gläubigen das direkte Wirken Gottes sehen, wird zusehends kleiner. War es am Anfang die Welt (als Scheibe) mit den Gestirnen, so kam mit Galileo Galilei die Welt als Kugel, mit Kopernikus das Heliozentrische Weltbild, mit Darwin die Evolution und mit der modernen Primatenforschung ist es sogar möglich nachzuweisen, dass Schimpansen sich in einen anderen Schimpansen  hinein versetzen können und dessen Verhalten vorhersagen können. Weiter können wir sehen, dass die geltende Meinung, dass Wasser unbedingt zum Leben notwendig ist, langsam aufweicht. So können sich Forscher auch andere Flüssigkeiten wie etwas Kohlenwasserstofflösung als Lebenselixier vorstellen. Dann wäre auch der Koran in Punkten neu zu lesen.
Es bleibt die Frage, ob aus Materie Geist entstehen kann, ob das Ganze von alleine mehr als die Summe ihrer Teile ist, oder ob es göttliches Zutun benötigt wird, ob Chaos oder Ordnung das Grundprinzip der Natur ist. Folgt man den Glaubenslehrern, dann hat Gott die Welt in Ordnung geschaffen, von dem jedes Teil seinen Platz hat und zum Gleichgewicht beträgt. Folgt man der Ursuppen-Hypothese, hat sich das Leben aus zufälligen organischen und anorganischen Verbindungen ergeben. Kritisch anmerken kann man, ob denn Zufall und Chaos in der Lage sind, Strukturen zu erschaffen, die in sich völlig geordnet sind.
Die heutige Chaosforschung beschreibt das als denkbar. Denn auch Systeme mit nicht vorhersehbaren und scheinbar irregulären Verhalten zeigen bestimmte typische Verhaltensmuster. Prof. Dr. Peitgen formuliert so, dass Chaos und Ordnung zusammen gehören als zwei Seiten der Beschreibungsweisen der Natur. Somit wird deutlich, dass ein reines Chaos genau so wenig existiert, wie reine Ordnung.
Davon zeugt schon der Zustand des Universums vor dem Urknall. Auch in der Vor-Universumszeit, sprich vor dem Urknall bestand das damalige Universum aus Ordnung und Chaos zugleich. Die Blumenwiese wurde durch ein chaotisches Gleichgewicht belebt.

Die Wurzeln des Bösen: theologischer Ansatz für einen brutalen Gott

In der christlichen Tradition ist Gott ein „liebender“ Gott. Er liebt seine Schöpfung, vor allem aber liebt er seine Menschen.
Nun gibt es aber nicht nur Gutes in der Welt, sondern auch die schlechten Seiten. Ich kann einen Menschen füttern, ich kann ihn aber auch bestehlen. Ich kann meine Mama pflegen, ich kann sie auch schlagen. Ich kann den Müll sauber  trennen, aber auch die Batterien in den Biomüll tun. Wenn wir nach Gottes Ebenbild geschaffen sind, ist die Frage, ob Gott auch solche dunklen Seiten hat. Christliche Theologen erklären die dunklen Seiten der Menschheit damit, dass Gott dem Menschen die Wahl lassen will, sich für das Gute, für Gott zu entscheiden oder sich dem Dunklen, dem Bösen zu widmen (Theologen sprechen vom Theodizee). Der Mensch soll bzw. kann sich prüfen lassen, in dem er während seiner Erdenzeit den Versuchungen des Bösen widersteht. Hört er nicht auf Gottes Wort, ist er böse.
Dabei stellen sich mir die Fragen: Was ist böse? Wie kommt es in die Welt? Wie steht der Verursacher dazu?
Auf die Frage, was böse ist, gibt es keine eindeutige Antwort. „Böse“ ist eine Bewertung des Menschen und die hat nie Allgemeingültigkeit. Jede Kultur, ja jede Gruppe hat ihre eigene Vorstellung von Werten. Ob sich ein Wert auf eine soziale Gesellschaft bezieht oder auf eine einzelne Person ist schon sehr unterschiedlich. Große Philosophen haben sich seit Urzeiten mit der Frage beschäftigt, ob der Mensch gut oder böse ist. Der Franzose Jean-Jacques Rousseau schrieb: "Alles ist gut, was aus den Händen des Schöpfers kommt; alles entartet unter den Händen des Menschen." Immanuel Kant war Philosoph und der Ansicht, dass der Mensch die Freiheit besitze, sich für das Gute oder das Böse zu entscheiden. Indem er sich für das Böse entscheidet, verstößt er jedoch gegen das Sittengesetz, das mit Vernunft erkannt werden kann. Für Sigmund Freud allerdings ist der Mensch von Natur aus böse aufgrund seines Sexual- und Aggressionstrieb.
Da ich nicht weiß, ob ich einen der Herren nochmal brauchen werde, will ich es mir mit Ihnen nicht verscherzen. Somit bleibe ich in meinem Kämmerlein und begutachte das Böse von der anderen Seite, von der Seite des Leids. Immer, wenn jemand böse ist, dann geschieht jemandem Anderen ein Leid. Es gibt Leid an Tieren, der Natur an sich oder auch nur einem Tisch. Mich interessiert hier erst mal nur das menschliche Leid. Für die Anderen ist das nachher übertragbar. Ohne dieses Leid also ist Böses nicht böse. Wenn ich jemanden belüge und dem geht es durch die Lüge besser, handele ich nicht böse. Wenn ich jemanden schlage, damit er aushusten kann, was er verschluckt hat und in der Luftröhre stecken geblieben ist, handele ich nicht böse.
Andersherum gibt es aber auch Leid, ohne das jemand böse gehandelt hat. Wenn mein Kind über die Straße rennt und dabei von einem Auto tödlich erfasst wird, gibt es keinen, der böse gehandelt hat. Mein Leid aber ist trotzdem sehr groß. Wenn es vom Blitz erschlagen wird oder in einem See ertrinkt, ist mein Leid nicht geringer, weil es sich „nur“ um eine Naturkatastrophe handelt und nicht um menschliches Handeln. Dass es abscheulich ist, wenn jemand 13 Menschen quält und tötet, ist leicht nach zu vollziehen. Wer aber mag das Leid fühlen, wenn ein Erdbeben ein ganzes Dorf auslöscht.
Wenn es einen Gott gibt, der zulässt, dass unzählige Menschen verschüttet werden, in Lawinen oder Vulkanausbrüchen ihr Ende finden, ertrinken, weil das Meer ihr Boot zerschlägt oder eine Sturmflut das Land überschwemmt, durch Krankheitserreger elendiglich verrecken, aufgrund von Überbevölkerung oder Missernten verhungern oder verdursten, dann stellt sich die Frage, wie grausam Gott sein muss, um all das zuzulassen. Andererseits ist „grausam“ auch wieder nur eine menschliche Bewertung eines natürlichen Vorgangs. Entweder ist die Natur aus Zufall erstanden, wie lebendige Eiweißketten in einer Ursuppe oder ein Gott hat das Leben erschaffen. Wenn der Zufall regiert hat, dann spielt „gut und böse“ keine Rolle außer in der menschlichen Bewertung. Wenn andererseits Gott die Erde geschaffen hat, dann hat er  auch die Raubtiere geschaffen, die Jagen und Fressen und dadurch anderes Leben zerstören und Leid auslösen. Er schuf Stürme und Tornados, Erdbeben und Vulkanausbrüche, Dürren und Missernten, Tierplagen und Krankheitserreger nebst tödlichen Viren. Die Natur ist nicht lieb und nett, auch wenn sie mit ihrer Schönheit darüber hinwegtäuschen könnte. Die Natur ist Kampf ums Überleben. Etwas, was wir in unserer hochzivilisierten Kultur meist verdrängen. Doch wenn die Katastrophen über uns hereinbrechen, merken wir, dass die Natur mit uns scheinbar nur spielt. Wir alle sind quasi Akteure im Zirkus Maximus in Rom und Gott sitzt als Kaiser in der Ehrenloge und hebt und senkt seinen Daumen.
Ich finde es schwer, dahinter einen liebenden Gedanken zu finden. Entweder kein Gott oder ein brutaler.
Natur ist Überlebenskampf pur. Es gibt auch die schönen Seiten, die Sonnenuntergänge am Meer, die wohl duftenden Blumen auf der Wiese mit den die Schmetterlingen oder die sich in die Lüfte erhebenden Adler. Dieser Sinn für die Schönheit hat sich die Natur aus uralten Zeiten bewahrt, als das ganze Universum noch eine wunderschöne Blumenwiese war; damals, vor dem Urknall.

Kirche und Glaube, wo passt das noch

Viele Christen kehren der Amtskirche den Rücken zu, treten aus und protestieren so gegen Kirche als Organisation. Im Islam kann man nicht aus der Glaubensgemeinschaft austreten. Einmal dabei, immer dabei. Für die Christen aber ist das ein möglicher Schritt. Und natürlich treten auch neue Menschen in die christliche Kirche ein und natürlich treten auch ausgetretene wieder ein. Mir geht es gar nicht so sehr darum, ob jetzt alles schlecht ist oder ob viel Gutes dabei ist. Es geht mir um den zentralen Gedanken der Institution Kirche. Wofür benötigt die Gemeinschaft der Gläubigen eine Institution, eine Organisation Kirche? Sich selbst versieht die Kirche mit vier Kernaufgaben: der Diakonie (gelebte Nächstenliebe), der Liturgia (das Gedenken an Gott in Feiern), Kerygma (Verkündigung der guten Botschaft) und Koinonia (Gemeinschaft).
Für die Gläubigen ist die Kirche zum einen das Gebäude Kirche, in dem sie - wenn überhaupt noch - in den Gottesdienst gehen, und zum anderen der bürokratische Apparat. Aus kaufmännischer Sicht ein sehr notwendiger Apparat, denn die Kirche hat in so vielen Teilen des täglichen Lebens und des Überlebens ihre Finger drin, dass sich Profis um die monetäre Aufstellung der Amtskirche kümmern müssen. Ja, man hat auch eine eigene Bank. Bank, das ist so eine verschworene Gemeinschaft von Leuten, die Geld verleihen und dafür Zinsen nehmen. Das sind Menschen, die Jesus aus dem Tempel geschmissen hat, weil er mit den Machenschaften nicht einverstanden war. So interpretiert man die Idee Jesu Werke neu. Aber in ihrer Geschichte hat die Kirche mannigfache Fehler gemacht, zu denen sie jedoch nicht steht. Wenn mal wieder ein Ornatsträger der Pädophilie überführt wurde, dann bekennt man sich dazu, dass die Würdenträger ja auch nur Menschen seien. Wie viel Tausende und Abertausende Menschen jedoch ihr Leben lassen mussten, weil die Kirche ihre Verbreitung mit aller Macht (wörtlich zu nehmen) vorantrieb. Kreuzzüge, Hexenverbrennungen, Kondomverbot, … Alles Taten der Nächstenliebe.
Die Kämpfe Katholiken gegen Protestanten in Irland, die Islamisierung durch den IS, Sunniten gegen Shiiten, Isrealis gegen Palästinenser, Hisbolla, Iran...
Wo man auch hinschaut, ist Krieg im Namen des Herrn. Und das, obwohl in allen Religionen Gewaltverzicht eine große Rolle spielt.

Religion ist Opium des Volkes – Marx unter den Rauchern

Karl Marx schrieb 1844, dass die Religion der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüt einer herzlosen Welt ist, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des Volkes. Er versteht die Religion als das illusorische, also als nicht erreichbare Glück des gemeinen Volkes. Bekannter ist der Ausspruch in der Abwandlung durch Wladimir Iljitsch Lenin als „Opium fürs Volk“. Wörtlich schreibt er 1905 in „Sozialismus und Religion“: Denjenigen, der sein Leben lang arbeitet und Not leidet, lehrt die Religion Demut und Langmut hienieden und vertröstet ihn mit der Hoffnung auf himmlischen Lohn.
In beiden Ansätzen wird Religion als vom Menschen geschaffenes System beschrieben, das zur Aufgabe hat, das bestehende Gesellschaftssystem zu bewahren. Dem Volke, als tragende und leidende Säule dieses Systems kommt die Aufgabe zu, die Notsituationen zu erleiden und den Luxus der Oberen zu ermöglichen. Indem das Gesellschaftssystem als göttlich gegeben bzw. gewollt dargestellt wird, wird die Verantwortung am bestehenden Zustand aus den Händen der Oberen genommen und in Gottes Hand gelegt. Einer Revolte gegen die Oberen wird somit der Boden entzogen. Religion bekommt eine Gesellschaft stabilisierende Funktion. Die wirkliche Existenz Gottes oder die Nichtexistenz spielt nur eine untergeordnete Rolle. Da es jedoch ein vom Menschen geschaffenes System ist, beinhaltet es, dass auch Gott vom Menschen erfunden worden  ist.
In einem stark hierarchischen Gesellschaftssystem setzen sich Werte und Normen durch, die von der oberen Schicht vorgegeben werden. Zur Durchsetzung benötigt es Macht, diese Werte auch gegen die Bestrebungen der unteren Schicht durchzusetzen. Je schlechter es der unteren Schicht geht, desto größer muss die Kraft sein, um z.B. eine Revolution zu verhindern. Eine funktionierende Methode ist, Soldaten zu unterhalten, die einen Aufstand der unteren Schicht niederschlagen können. Armeen zu unterhalten ist jedoch teuer, da diese gut ausgerüstet, die Soldaten gut bezahlt und die Stationierung gut gewählt sein müssen. Somit wird eine Macht aufgebaut, die von Außen auf die untere Schicht einwirkt.
Wirksamer und preiswerter sind jedoch Systeme, die von Innen wirken. Also Methoden, die bewirken, dass die untere Schicht von sich aus die Werte und Normen des bestehenden Gesellschaftssystems hoch halten. So funktioniert z.B. Demokratie. Wenn die obere Schicht jedoch vor bösen Überraschungen geschützt sein will, trotzdem sie die untere Schicht ausbeutet, braucht es andere Methoden. Hier kommt Religion ins Spiel. Wenn der unteren Schicht klar gemacht wird, dass es einen Gott gibt, der die Welt geschaffen hat, der mächtig ist, selbst in die bestehende Natur einzugreifen, der verehrt werden will, damit er keine Gewalt gegen die Bevölkerung ausübt und der das aktuell bestehende System befürwortet, dann werden die Bestrebungen sehr gering ausfallen, die obere Schicht zu stürzen.
Religion, von der Oberschicht eingesetzt, ersetzt somit eine Armee, weil es das Volk von innen heraus die bestehende Gesellschaftsordnung befürworten lässt.
Religion als Opium fürs Volk oder des Volkes meint, dass durch den rauschhaften Zustand Not und Elend ihre bedrückende Wahrnehmung verlieren und der Betroffene in einen Zustand von „ist mir egal“ gelangt.
1763 gründete der Fürst Samiel III von Abstrusistan die Religion der Floragottheiten. In dieser Glaubenswelt stellten die Götter Rosae, Nelkae und Gerberae die Schöpferinnen des Universums dar. Diese existierten schon lange vor dem Urknall und herrschten über eine große Blumenwiese. Da sie sich zerstritten, einigten sie sich darauf, die Blumenwiese in einem großen Knall in alle Richtungen sich ausdehnen zu lassen, damit jede der drei ihr eigenes Reich zum herrschen hat. Samiel III Beschrieb, dass sie immer noch herrschten und für kleine Teilbereiche ihres Herrschaftsgebiet ausgewählte Fürsten zur Verwaltung der Gebiete eingesetzt haben. Als solcher bezeichnete sich Fürst Samiel III.
Leider fehlte ihm ein Volk, dem er seinen Glauben nahe bringen konnte.

Angst als Erschaffer von Gott

Dass Herrscher Religionen erschaffen oder stärken, die ihre Macht stärken, haben wir gerade schon behandelt. Dabei spielt Angst dann eine große Rolle, wenn der Herrscher große Gegenwehr erlebt oder befürchten muss. Je größer die Gegenwehr, desto größer die Notwendigkeit, dass die Unterschicht den bestehenden Zustand nicht nur selber will, sondern sogar Angst haben muss, das System zu verändern. Der Wunsch etwas zu erhalten und die Angst davor etwas zu verändern sind zwei unterschiedliche Antriebe. Eine Religion, die vorgibt, dass das bestehende Gesellschaftssystem (Herrschertum) das richtige ist, gibt dem Volke vor, dass es das System so will. Schafft es die herrschende Schicht, die Gottheit als strafend darzustellen, dann muss das Volk sogar die Strafe der Gottheit fürchten, wenn es das bestehende Herrschaftssystem ändern will.
Angst kann aber auch von sich aus Glauben initiieren. Es gibt viele Beispiele, die davon zeugen, dass Menschen in Notlagen plötzlich anfangen zu beten oder zu glauben, auch wenn sie dies ihr Leben lang nicht taten. Sie fingen gemeinsam an zu beten oder zu singen. Den nahenden Tot vor Augen, erzeugt die entstehende Angst vor dem Sterben den Druck, sich etwas übermenschlichem zu widmen, um dem Tod zu entgehen oder ihm die Bedrohung zu nehmen. Angst vorm Sterben bringt Gott ins Spiel. Früher waren es verschiedene Götter, die im Umfeld anerkannt waren. Heute ist es der eine Gott, an dem die Mehrheit der Menschen glaubt.So lässt man sich davon anstecken, was allgemein anerkannter ist. Ebenso gehört es zum menschlichen Verhalten, sich Unterstützung zu wünschen in Situationen, denen man nicht oder nur schwer gewachsen ist. Menschliche Unterstützung tut da schon gut. Übermenschliche, weil göttliche tut Wunder. So dürften besonders unsichere und ängstliche Menschen eher zum Glauben zu bringen sein, wenn man ihnen durch den Glauben Ängste nehmen kann.

Hinter dem Tellerrand ist das Ende der Welt

Vom sehr gläubigen Menschen zum Atheisten war es ein langer und beschwerlicher Weg. Dieser Weg versperrt mir aber nicht die Sicht auf die Dinge des Glaubens, sondern ermöglicht mir immer neue Sichtweisen. Jeder Schritt weg vom System Religion öffnet den Blickwinkel ein wenig mehr, ähnlich einem Foto-objektiv, dass man von Tele- auf Weitwinkeleinstellung dreht. Wie schön der Globus Erde ist, wissen wir erst, seit dem wir Bilder der Erde aus dem Weltraum gesehen haben, Bilder vom blauen Planeten. Die räumliche Distanz ermöglicht eine andere Wahrnehmung. Der Glaube an Gott ist so sehr in unserer Kultur verstrickt, dass es sehr schwer ist, sich die Welt, ohne von dieser Ideologie geprägt zu sein, vorzustellen. Ich stehe auf der Erde und versuche die Erde zu betrachten ist ein anderes als ich stehe auf dem Mond und versuche die Erde zu betrachten. Dinge, die in der Theorie klar waren, bekommen nun ein anderes Gefühl, da ich sie sehe. So werden aus der Ferne viel schneller und deutlicher Zusammenhänge bewusst.
Je weiter ich mich vom Erdstandpunkt entferne, desto klarer wird mir, wie unsinnig es ist, an einen Gott zu glauben, der die Menschheit erschaffen hat – noch dazu als Krönung der Schöpfung, als sein Ebenbild sogar. So wie die Naturwissenschaft ein System ist, die Dinge zu erklären, so wie die Philosophie ein System ist, die Dinge zu begründen, so ist auch die Religion ein System, um Dinge begreiflich zu machen. Sie ist lediglich ein System, von mehreren. Mehr ist sie nicht. Da sie für sich aber Ansprüche erhebt, das einzig wahre System zu sein, ist es zugleich ein System der Macht, also ein System, dass gesellschaftliche Strukturen und Regeln schafft, die eine Hierarchie bestärken. Sie lieferte Erklärungen zu Dingen, die sich die Menschen nicht erklären konnten. Sie brachte Gefühle der Sicherheit und Ordnung. Und sie überlebte die letzten 3000 Jahre, weil sie Menschen im Kampf gegen andere miteinander verband. Älter ist sie noch nicht. Verglichen mit der Zeit, in der die Welt existiert, oder auch nur die Millionen Jahre, in denen es Leben gibt, ist die Religion, die an den einen Gott glaubt, nicht mal geboren.
In der Naturwissenschaft ist Platz für philosophische Sichtweisen und umgekehrt. Die Religion steht alleine.

Zeugenaussagen heute und vor 2000 Jahren

Ein Versuch: 15 angehende Polizeibeamte werden Zeuge eines fingierten Unfalls. Nur, dass die Beamten nicht wissen, dass es ein gestellter Unfall ist, der lediglich dazu dienen soll, herauszufinden, wie gut Zeugenaussagen wirklich zu gebrauchen sind. Bei Polizei und Beamte denke ich sofort an Recht und Ordnung, korrekte Angaben und dergleichen. Im Versuch befragte man die 15 Personen und verglich deren Aussagen. Aussagen über einen Tathergang, der vor kurzer Zeit direkt vor ihren Augen abgelaufen war. Ein Autofahrer steuerte seinen Wagen die Straße entlang und stieß mit einem Radfahrer zusammen. Der Autofahrer begann Fahrerflucht. Die Augenzeugenberichte der 15 waren unterschiedlich, wie sie nur unterschiedlich sein konnten. Manche hatten sich das Nummernschild merken können, andere konnten nicht sagen, ob es ein Mann oder eine Frau am Steuer gewesen sei. Unterm Strich kam raus, dass die Zeugenaussagen zum großen Teil falsch waren. Selbst die Farbe des Fahrzeuges wurde unterschiedlich angegeben.
Aber das ist heute. Vor rund 2000 Jahren waren die Menschen viel konzentrierter. Wenn da einer sagte, da war ein Stein vor der Höhle, dann war da auch einer und die Größe war hundertprozentig richtig angegeben. Wenn geschrieben steht, dass Jesus in einer Krippe gelegt wurde, als er im Stall zu Bethlehem geboren wurde, dann war das eine Krippe. Und die ganzen Erzählungen sind wörtlich so geschehen, schließlich waren die Evangelisten live dabei und schrieben direkt mit. O.k., nicht ganz. Keiner der vier Evangelisten war ein Zeitzeuge. Da lagen mindestens 60 Jahre dazwischen. Na, gut, was sind schon 60 Jahre für so feststehende Tatsachen, die bis dato noch keiner aufgeschrieben hatte. Schließlich weiß ich, dass man Hergänge ja auch mündlich gut weitergeben kann. Wenn ich meinem Freund eine Geschichte erzähle und er sie weiter erzählt, dann kann ich sicher sein, dass der nächste sie genau so versteht, wie ich sie gemeint habe. Mein Freund würde nie was weg lassen, von dem, was ich gesagt habe, kein einzelnes Wort. Der kann sich nämlich wörtlich merken, was ich sage. Das können doch alle Freunde, oder?

Beim Glauben hört Toleranz auf – Rassismus auf Glaubensebene

Versuchen Sie mal als Nichtchrist eine Arbeitsstelle bei einem kirchlichen Arbeitgeber (Träger) zu bekommen. Sie bewerben sich also als bekennende Muslime bei einem katholischen Kindergarten. Es wird völlig egal sein, wie gut sie mit Kindern umgehen können, wie wertvoll ihre Pädagogik ist. Es wird keine Rolle spielen, ob sie ethische Werte vermitteln können und eine phantastische Teamplayerin sind. Sie werden die Stelle nicht bekommen. Sie könnten ja andere religiöse Auffassungen in die Kinder eintrichtern, als dass der christliche Arbeitgeber will. Dabei steht im deutschen Grundgesetz, dass niemand aufgrund seiner religiösen Vorstellungen benachteiligt werden darf. Sie arbeiten bei einem christlichen Arbeitgeber? Und sie haben ein rechtliches Problem mit ihm zu klären? Ziehen sie doch vors Arbeitsgericht und klagen ihr Recht ein! Geht nicht, sagen Sie? Sie haben Recht. Das geht nicht. Arbeitsgerichte sind für kirchliche Arbeitgeber nicht zuständig. Da muss man vor zu einer dafür zuständigen Organisation der Kirche, um dort den kirchlichen Arbeitgeber zu verklagen. Das Ende können Sie sich ausmalen.
Kirchliche Institutionen genießen hierzulande große Rechtsfreiheiten, steuerliche Begünstigungen und wertemäßigen Einfluss auf die Politik.
Und diesen Einfluss auf die Politik machen sich die Religionen schon lange zu eigen. Was soll der Unterschied zwischen den Kreuzzügen und dem Dschihad des Islamischen Staates sein? Wo ist der Unterschied zwischen der Hexenverbrennung und der Enthauptung Andersgläubiger vor laufender Kamera? Judenverfolgung, Kreuzigung, Steinigung, … der Möglichkeiten sind vielfältig, auf Glaubensaussagen zu reagieren, und das sowohl von Andersgläubigen als auch von Ungläubigen. Interessant ist hierbei nur die Haltung der Gläubigen, das Martyrium der eigenen Religion (Judenverfolgung, Kreuzigungen,...) als Bürde, als herausragende Eigenschaft und als positiv zu bewertendes Handeln hervorzuheben und die schrecklichen Gräueltaten, die im Namen ihrer Religion verübt wurden, zu verdrängen oder gar zu negieren. Wohl die Untaten der anderen Religionen werden hervorgehoben.
Sowohl im Islam als auch im Christentum gehören das Missionieren zur Aufgabe der Gläubigen. Religiöse Wertevorstellungen werden ohne Rücksicht auf vorhandenes Kulturgut und vorhandenen Glauben „eroberten“ Völkern übergebügelt. Das geschah bei der Eroberung der Mayas, das geschieht zur Zeit im Nahen Osten, das geschieht in Irland mit Katholiken und Protestanten, das geschieht täglich um uns herum.

Gott bewirkt Gutes – das Ungute tut Gott nicht

Im Alten Testament, im Tanach und im Koran gibt es einen strafenden und zornigen Gott. Einen Gott, der ins Tagesgeschehen der Welt eingreift und die Dinge so richtet, wie er das für sich haben will. Dabei geht er nicht zimperlich mit den Menschen um.
Im Neuen Testament ist Gott erfüllt von göttlicher Liebe, lässt der Welt seinen Lauf und gibt dem Menschen die Gelegenheit, sich selber für ihn zu entscheiden. Göttliches Eingreifen gibt es nicht mehr außer in höchsten Wohltaten, sogenannte Wunder. Ist man im christlichen und islamischen Glauben auf der Suche nach den Ursprüngen der Welt und der Menschheit, so erfährt man, dass Gott die Welt geschaffen hat. Die Katastrophen und Unglücke, die Hungersnöte und Kriege sind jedoch nicht von ihm. Hä? Wie soll das gehen? Gott erschafft die Welt. In seiner Weisheit schafft er Himmel und Erde, Blume und Baum, Killerschwein und Eichhörnchen, Dinosaurier und Bakterie, Stein und Mensch. Er sorgt dafür, dass Tiger und Löwe überleben, in dem sie andere Tiere töten. Nur wenn es darum geht, das der Mensch leidet, dann ist das nicht Gottes Werk, sondern … ja wessen Werk ist es denn eigentlich? Manche Religionswissenschaftler bezeichnen den Menschen als Ursache für das „Unheil“, das „Böse“. Die Natur wird auch gerne als Begründer herangezogen. Jedoch nur soweit, so sie keine Kräfte besitzt, dass sie auch den Menschen geschaffen haben könnte. Damit es den Menschen gibt, und der Mensch die Krönung der Schöpfung ist, muss es einen Gott geben, der ihn geschaffen hat und ihn über alles schätzt. Gleichzeitig schuf er auch eine Welt, in der der Mensch nicht gänzlich geschützt ist, sondern Hunger, Elend und Not ausgeliefert ist.
Jeder Hundebesitzer sorgt besser für seinen Köter. Egal ob christlich, islamisch oder atheistisch. Aber der eine Gott ist ja der Gott der Liebe.

Nachwort

Es gibt viele gute Gründe, an christlichen Wertevorstellungen festzuhalten. Es gibt positives an der islamischen Sichtweise und an den jüdischen Riten. Ohne die großen Religionen wäre unsere Welt ärmer und unsozialer. Wir hätten größere Schwierigkeiten gehabt, Kulturgemeinschaften zu werden. Hochkulturen sind immer auch religiöse Kulturen gewesen, sowohl die Mayas, die Ägypter als auch das Abendland u.v.a. mehr.
Religionen haben Menschengruppen zusammengehalten und ihnen Richtung vorgegeben. Das ist das Gute an Religionen, dass sie Orientierung bieten.
Die inhaltliche Gestaltung und die Methoden, mit denen sie sich selber stabilisiert sind jedoch sehr zweifelhaft und für ethische Vorstellungen, in denen jeder Mensch die gleichen Rechte besitzt und als ebenwertig anzusehen ist, schwer zu begreifen.
Der Glaube an den einen Gott ist in unserer Kultur tief verwurzelt, hat uns geprägt und unsere Kultur stark mitgeformt. Sich unsere Welt ohne diesen Glauben vorzustellen ist ein schweres Unterfangen. Dieses Buch sollte eine Hilfe dabei sein, die Welt mit Augen zu sehen, die nicht an die Existenz Gottes glauben.
Und auch das möchte ich festhalten: Auch der Unglaube ist ein Glaube. Und ich möchte nicht den Fehler machen, meine Sichtweise der Dinge als alleingültig stehen zu lassen.
Wer sich hat anregen lassen, über seine eigene Haltung nachzudenken und noch nicht müde ist, könnte sich z.B. die Fragen beantworten:
Gott ist gut – für wen?
Welchen Wert hat Sünde?
Der Messias erlöst die Menschen – aber wovon?
Was unterscheidet den alleinigen Gott vom alleinigen Gott?
Der Himmel als ewiges Leben
Warum dann erst auf der Erde leben?
Warum beschreibt der Mensch den Himmel wie das erreichen seiner irdischen Bestrebungen nach Unsterblichkeit, Fliegen, Jugend, Schönheit, Intelligenz, Ansehen, Macht?
Wieso soll Jesus Christus nach nur neun Stunden am Kreuz gestorben sein, obwohl ihm nicht die Beine zerschlagen wurden? Andere Gekreuzigte sind erst nach Tagen gestorben, nachdem man ihnen die Beinknochen zerschlagen hat, damit sie absacken und dann ersticken
Wenn Gefühle Gedanken ohne Worte sind:
Denken benötigt Sprache. Ohne Sprache kein Denken, sondern fühlen. „Göttisch“ als Dialekt wovon?

Literaturverzeichnis

Nachstehend die Sammlung der Internetadressen, damit der/die geneigte und kritische Leser/in die Aussagen zu den Schriften (Tanach, Bibel, Koran), zu den Riten und den geschichtlichen Zusammenhängen direkt überprüfen können.
http://www.islamfacts.info/Islamfacts/Der_Koran.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Bibelkanon
http://de.wikipedia.org/wiki/Masoretischer_Text
http://www.kath.de/lexikon/philosophie_theologie/boese_gott.php
http://www.religionen-entdecken.de/lexikon/h/heilige-schriften-im-judentum
https://www.die-bibel.de/online-bibeln/menge-bibel/bibeltext/bibel
https://www.die-bibel.de/bibelwissen/inhalt-und-aufbau/
http://www.bpb.de/apuz/30392/zur-entstehung-und-fruehgeschichte-des-islam?p=all
http://www.bibelwissenschaft.de/wibilex/das-bibellexikon/lexikon/sachwort/anzeigen/details/goetter-goetterwelt-aegyptens
http://www.bibelwissenschaft.de/wibilex/das-bibellexikon/lexikon/sachwort/anzeigen/details/gott-gottesbild-at
http://www.bibelwissenschaft.de/wibilex/das-bibellexikon/lexikon/sachwort/anzeigen/details/goetterpolemik-at
http://www.radikalkritik.de/simon_von_samarien.htm
http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_Israels
http://www.religion-ethik.de/judentum/geschichte-entstehung.html
https://www.ekd.de/bibel/tolle_typen/index.html
https://erezjisrael.wordpress.com/die-wahrheit-uber-die-christlichen-feste/
http://www.israelogie.de/2014/chanukka-das-juedische-weihnachten/
Förster, Hans (2007, Die Anfänge von Weihnachten und Epiphanias)
http://de.wikipedia.org/wiki/Äon_(Philosophie)
http://de.wikipedia.org/wiki/Jungfrauengeburt
http://www.planet-wissen.de/kultur_medien/religion/maria/andere_religionen.jsp
http://www.bibelcenter.de/bibel/studien/d-std816.php (Hirtenlehre)
http://www.islam-pedia.de/index.php5?title=Weihnachten
http://www.david.juden.at/kulturzeitschrift/66-70/67-Davidowicz.htm
http://www.gottesbotschaft.de/?pg=2135 (Ölwunder)
Karl-Heinz Deschner - Abermals krähte der Hahn - Eine kritische Kirchengeschichte - Zitate aus histor. Werken
https://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_XIV.
https://de.wikipedia.org/wiki/Aufklärung
https://de.wikipedia.org/wiki/Katholische_Aufklärung
http://www.henn.com/de/research/order-chaos
https://de.wikipedia.org/wiki/Chaosforschung
http://stjosef.at/dokumente/evo_laun.htm
http://www.swr.de/contra/-/id=4573866/property=download/nid=7612/4ywv2l/Emina+Corbo-Mesic,+März+2009.pdf  Emina Corbo – Mesic (Stuttgart, März 2009 Islam und Darwin – Ein Widerspruch ?)
http://www.raumfahrer.net/news/raumfahrt/30112004185340.shtml
http://www.henn.com/de/research/order-chaos